Presse

Kritische Analyse

Desinformation mit System

Dr. Gerhard Weil, GEW Berlin
Dr. Gerhard Weil, GEW Berlin

Pro Reli und seine Unterstützer im Kampf

gegen den gemeinsamen Ethikunterricht in Berlin 

Beispielanalysen 

- eingeführt und kommentiert von
Dr. Gerhard Weil,

als GEW-Vertreter bei Pro Ethik 

 

 

 

I N H A L T 

Zusammenfassung 

I  Einführung 
1    Zum Begriff der Desinformation
2    Akteure, Zielgruppen und Elemente der Desinformation

 II  Beispielanalyse aus der Praxis der Desinformation:  

1      "Argumente" von Pro Reli und seiner Unterstützer – Streiflichter aus 2008                  / von Dr. Gerhard Weil

2      Weitere Analysen unter Argumente – Kritik anPro Reli

– Peter Kriesel

-  Lina Fröhlich

-  Gerd Eggers

Zusammenfassung 

Desinformation ist eine besonders subtile Formen der Abweichung von der Wahrheit und wird in letzter Zeit von der Initiative "Pro Reli", den Kirchen, ihren Organisationen, Teilen ihrer Anhänger und Sympathisanten, von der CDU und FDP sowie nahestehenden Journalisten seit der Einführung des gemeinsamen Faches Ethik in Berlin systematisch genutzt, um seine Abschaffung als Pflichtfach zu erreichen. Dagegen streitet die im Mai 2008 gegründete Initiative "Pro Ethik". Sie will den gemeinsamen Ethikunterricht in Berlin erhalten und setzt sich zugleich für die Beibehaltung des uneingeschränkt freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts ein. Im Oktober 2008 hat sich zudem eine Initiative "Christen pro Ethik" gegründet. Deren Koordinierungskreis gehört eine Reihe von Pfarrern und evangelischen sowie katholischen Theologen an. Aus christlicher Überzeugung setzt sich diese Initiative dafür ein, Ethik als ein Unterrichtsfach zu erhalten und weiter zu entwickeln als einen Raum des gemeinsamen Lernens und des Dialogs zwischen Schülerinnen und Schülern verschiedener kultureller, religiöser und weltanschaulicher Herkunft.

 

Bereits seit 2005 wird durch Kräfte aus dem Raum der evangelischen und katholischen Kirche gegen den gemeinsamen Ethikunterricht in oft aggressiver Weise mobil gemacht. Nachdem die Diffamierung des Pflichtfaches Ethik als angeblich "verfassungswidrig" durch das Bundesverfassungsgericht 2007 zerbröselt worden war, wurde aus einem "Notbund für evangelischen Religionsunterricht" (in Anlehnung an den Pfarrernotbund in der Nazizeit) heraus, der die Entwicklungen in Berlin in übelster Weise mit dem Beginn des Nationalsozialismus und damit die rot-rote Regierung mit den Nationalsozialisten verglichen hatte, der Verein Pro Reli e.V. gegründet, um durch ein Volksbegehren bzw. Volksentscheid einen Wahlpflichtbereich Ethik/Religion mit einem staatlichen Religionsunterricht durchzusetzen.

 

Dazu sind massenhaft Unterschriften erforderlich, 170 000 für das Volksbegehren und mehr als 600 000 für einen erfolgreichen Volksentscheid. Offenbar Grund genug für Pro Reli und seiner Unterstützer, seine Kampagnen massenpsychologisch zu konzipieren.

Betrachtet man die bisherigen Kampagnen von Pro Reli und der Amtskirchen sowie ihrer Unterstützer gegen den gemeinsamen Ethikunterricht genauer, fallen immer wieder bestimmte Schlagworte und Argumentationsmuster auf als Elemente der Desinformation für nicht oder wenig informierte Bürgerinnen und Bürger wie z.B.:

-      Beschwörung der Religionsverfolgung in der Nazizeit (siehe Notbund)

-      Argumentationsschiene "Kommunismus – Sowjetbesatzer", das DDR-Regime und seine Kirchenfeindlichkeit

-      die Partei DIE LINKE als SED-Nachfolgepartei und jetzt als Regierungspartei

-       Diffamierung der Vertreter von Pro Ethik oder deren Gruppen als Feinde des Religionsunterrichtes

-      Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus durch Kontrolle und Verstaatlichung des (islamischen) Religionsunterrichts

-      Beschwörung der freien Wahl, d.h. der "Wahlfreiheit" gegen „Zwangsteilnahme“ am Ethikunterricht – also Freiheit statt Zwang

-      Bedrohung der Religionsfreiheit durch Behinderung des Religionsunterrichtes und

-      Diffamierung des Ethikunterrichtes als konzeptionsloses "Mischmaschangebot" von Lehrkräften ohne eigenen Standpunkt.

 

Angefangen von dem ersten Brief von Bischof Huber aus dem Jahre 2005 gegen die Einführung des obligatorischen Ethikunterrichts als Begleitbrief einer Unterschriftensammlung, der in elf Sätzen sechs Unwahrheiten enthielt, lassen sich in den Verlautbarungen von Pro Reli und seiner Unterstützer und Medienberichten darüber eine Vielzahl  Desinformationen, Diffamierungen, Emotionalisierungen und Vorurteile entdecken. Diese sollen nun Pro Reli helfen, die benötigten Unterschriften zu erreichen, zunächst 170 000 bis zum 21. Januar 2008. Die vorliegenden Analysen greifen einige Beispiele massenpsychologisch angelegter Arbeit von Pro Reli und seiner Unterstützer heraus.  Erfreulicherweise ist festzustellen, dass immer mehr Menschen in Berlin, die manipulative Argumentation von Pro Reli und seiner Unterstützer durchschauen.

 

 "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden
wider Deinen Nächsten"

 

8. Gebot – Altes Testament, 2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 16

 

In der Auslegung von Martin Luther: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseren Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren."[1][1]

 



[1][1] aus einer Predigt von Dr. Rolf Schieder, Professor für Praktische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin - Quelle: www2.hu-berlin.de/religion/dokumente/pr206.doc (heruntergeladen: 20.09.2008)

 Nachstehend der Text der Analyse als Datei:

Beispielanalysen Pro Reli von Dr. Gerhard Weil
zu Äußerungen und Artikeln in Presse und Öffentlichkeit
N - Analyse Pro Reli v. G. Weil Nov. 200
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