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PRESSEMITTEILUNG vom 11. Oktober 2011
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Ergebnis des Volksentscheids darf nicht umgekehrt werden
Auf Befremden ist die Forderung des Vorsitzenden der Initiative Pro Reli, Christoph Lehmann, gestoßen, bei den anstehenden
Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU „eine einvernehmliche Lösung zum Religionsunterricht“ zu finden. Lehmann sprach vom richtigen Zeitpunkt, „um in dieser Frage einen breiten
gesellschaftlichen Konsens zu finden.“
Dazu erklärte der Sprecher des Bündnis Pro Ethik, Gerhard Weil: Der Fachverband Ethik, Landesverband Berlin, hat übrigens den bislang im Abgeordnetenhaus vertretenden Parteien vor den Wahlen Wahlprüfsteine zum Ethikunterricht zugeschickt. Die Fragen und Antworten sind auf der Homepage des Bündnis unter http://www.proethik.info/start/aktuelles/ zu finden.
Für Nachfragen: Dr. Gerhard Weil, 030 7452922 gerhard.drweil@arcor.de
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Christen pro Ethik
www. Christen-pro-Ethik.de c/o Ruth Priese (ruthpriese@gmx.de) Hämmerlingstr. 95, 12555 Berlin Tel. 030-6574230
Presseerklärung 2. November 2011
Ethikunterricht weiter gemeinsam
statt getrennt in Berlin
In den gegenwärtigen Verhandlungen zur großen Koalition zwischen SPD und CDU in Berlin sollen Vertreter der CDU die Einführung eines Wahlpflichtbereichs zwischen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen und dem Fach Ethik verlangt haben
Zu dieser neuerlichen Forderung, nachdem zwei Klagen gegen den gemeinsamen Ethikunterricht vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert sind und nach der Niederlage von Kirchen und CDU mit der gleichen Forderung 2009 im Volksentscheid, erklärte der Vorsitzende des Fachverbands Ethik e.V. (Bundesverband) Peter Kriesel:
„Das Berliner integrative Modell des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler ist das angemessene Modell für das multikulturelle und weltoffene Berlin, in dem 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.
Der Verweis der Vertreter von Pro Reli auf das „Brandenburger Modell“, bei dem sich Schüler von Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) zum Religionsunterricht abmelden können, ist für Berlin keine Option:
- Dies wäre ein Einstieg in das verdeckte Wahlpflichtmodell der Kirchen, das in Brandenburg unter einem Kirchenjuristen als Ministerpräsident durchgesetzt und einem Pfarrer als Bildungsminister im Schulgesetz verankert wurde.
- In Brandenburg leben nur 5% Bürger mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu Berlin, wo 25% der Einwohner und 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.
In diesem Kontext leistet der gemeinsame Ethikunterricht für alle Schüler einen zentralen Beitrag zur Integration und Wertorientierung an Grundgesetz und Menschenrechten in Berlin. Eine Trennung der Schüler für katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht, Lebenskunde und Ethik in Fragen der Wertorientierung würde den integrativen Charakter des Faches Ethik zerstören.
Deshalb fordert der Bundesverband der Ethiklehrer den Erhalt des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler in Berlin.“
Wir schließen uns dieser Forderung auch aus Sorge um das Erscheinungsbild der Kirche in der Stadt an. Soll denn weiterhin der Eindruck bestehen bleiben, dass wir als Christen ein Problem mit der Demokratie haben und ein so klares und öffentliches Votum der Berliner Bevölkerung so schnell wieder in Frage stellen?
Bei einiger Geduld mit den Einführungsschwierigkeiten des immer noch neuen Pflichtfaches Ethik für alle - wird es sich erweisen, dass es auch der Hinführung der Jugendlichen in eine religiöse oder weltanschauliche Lebenswelt gut tut, wenn der Religions- und Weltanschauungsunterricht ein Wahlfach ist und bleibt.
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Nr. 39 / 2011 GEW Berlin | | Mittwoch, 2. November 2011 |
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Koalitionsverhandlungen: Ethik - ein gemeinsames Fach für alle |
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Die GEW BERLIN fordert die Beibehaltung des Pflichtfaches „Ethik“ in der Berliner Schule. Für die Entwicklung von gegenseitigem Verstehen, Akzeptanz und Respekt bietet dieser
gemeinsame Unterricht dem „Miteinander sprechen lernen“ den notwendigen Rahmen. Eine Trennung der SchülerInnen nach Glaubensrichtungen und Weltanschauungen widerspricht dem
Anliegen, in einer multikulturellen Gesellschaft Verständnis für unterschiedliche Lebensweisen zu entwickeln und damit das friedliche Miteinander zu fördern. Das Fach Ethik
verbindet und öffnet den Blick für andere Perspektiven, Kulturen und Religionen. |
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Presseerklärung des Bundesfachverbandes Ethik
27.10. 2011
Ethikunterricht weiter gemeinsam statt getrennt in Berlin
In den gegenwärtigen Verhandlungen zur großen Koalition zwischen SPD und CDU in Berlin hat die CDU die Einführung eines Wahlpflichtbereichs zwischen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen und dem Fach Ethik verlangt.
Zu dieser neuerlichen Forderung, nachdem zwei Klagen gegen den gemeinsamen Ethikunterricht vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert sind und nach der Niederlage von Kirchen und CDU mit der gleichen Forderung 2009 im Volksentscheid, erklärt der Vorsitzende des Fachverbands Ethik e.V. Peter Kriesel:
„Das Berliner integrative Modell des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler ist das angemessene Modell für das multikulturelle und weltoffene Berlin, in dem 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.
Der Verweis der Vertreter von Pro Reli auf das „Brandenburger Modell“, bei dem sich Schüler von Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) zum Religionsunterricht abmelden können, ist für Berlin keine Option:
- Dies wäre ein Einstieg in das verdeckte Wahlpflichtmodell der Kirchen, das in Brandenburg unter einem Kirchenjuristen als Ministerpräsident durchgesetzt und einem Pfarrer als Bildungsminister im Schulgesetz verankert wurde.
- In Brandenburg leben nur 5% Bürger mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu Berlin, wo 25% der Einwohner und 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.
In diesem Kontext leistet der gemeinsame Ethikunterricht für alle Schüler einen zentralen Beitrag zur Integration und Wertorientierung an Grundgesetz und Menschenrechten in Berlin. Eine Trennung der Schüler für katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht, Lebenskunde und Ethik in Fragen der Wertorientierung würde den integrativen Charakter des Faches Ethik zerstören.
Deshalb fordert der Bundesverband der Ethiklehrer den Erhalt des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler in Berlin.“
Für Nachfragen: Peter Kriesel, Tel. 01573/8813562 oder 030/99542085 – kriesel.ler@web.de
Nr013-ethik-01112011PE Linksfraktion.pdf
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– Presseinformation des HVD Berlin vom 1.11.2011 –
An der Berliner Bevölkerung vorbeiregieren – so geht’s
Bildungsfragen stehen heute auf der Tagesordnung der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU in Berlin. Dabei sollte es auch um Bildung gehen und nicht um die Durchsetzung kirchlicher Interessen, fordert der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg. Grundlage dafür müssen die gesellschaftlichen Realitäten und Bedürfnisse sein.
(31/10/2011) Geht es nach der CDU, soll es künftig keinen gemeinsamen wertebildenden Unterricht mehr in Berlin geben. Statt einmal wöchentlich im Ethikunterricht gemeinsam über Werte und Normen in einer multikulturellen und pluralistischen Gesellschaft nachzudenken, will die Berliner CDU die Aufteilung der Schülerschaft in Ethikschüler und Religionsschüler durchsetzen. Das Vorhaben der Besserstellung des Religionsunterrichts, mit dem sie bereits 2009 im Volksbegehren Pro Reli scheiterte, soll nun durch die Hintertür verwirklicht werden – an der Berliner Bevölkerung vorbei. Das gesamte Vorhaben spricht dafür, dass die Berliner CDU wenig mit der Bevölkerung der Hauptstadt vertraut ist. Denn:
- Das Vorhaben, den Religionsunterricht mit dem Ethikunterricht gleichzustellen, scheiterte vor zwei Jahren in aller Deutlichkeit. Von den wahlberechtigten Berlinern wollte sich nicht einmal jeder Dritte an der Abstimmung überhaupt beteiligen. Für die von der CDU massiv unterstützten Anliegen der Initiatoren des Volksbegehrens stimmten sogar nur 14,1 % aller Wahlbeteiligten. Die CDU Berlin konnte also nicht einmal die eigene Klientel für den verpflichtenden Religionsunterricht an Berliner Schulen begeistern. Dementsprechend rührte sie das Thema im diesjährigen Wahlkampf auch nicht an, um nicht mögliche Wähler zu verschrecken. Das Thema Religionsunterricht nun am Verhandlungstisch aus der Schublade zu holen, ist ein politischer Affront gegenüber den eigenen Wählern und gegenüber dem eindeutigen Votum der Berliner Bevölkerung.
- Pro Reli-Initiator und CDU-Landesvorstand Christoph Lehmann schlug nun die Einführung des Brandenburger Modells vor, welches vorsieht, dass sich Schüler des Religionsunterrichts vom gemeinsamen LER-Unterricht (Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde) abmelden können. Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer, sagte, dass das Thema diskutiert werde. Offensichtlich ist, dass die CDU sich hier ideologiepolitisch treiben und die Berliner Realitäten außer Acht lässt. Von den Berliner Schülerinnen und Schülern haben mehr als zwei Fünftel einen Migrationshintergrund, ihre Werte und Normen haben also neben den deutschen auch noch andere gesellschaftlich-kulturelle Wurzeln. Für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben in Berlin ist es unerlässlich, dass ein gemeinsamer, nicht ideologisch gefärbter Werteunterricht stattfindet, wie ihn der Ethikunterricht bietet. Nur hier können die Berliner Schülerinnen und Schüler gemeinsam um die Art und Weise des Zusammenlebens in einer Gesellschaft ringen, die sie zu einem großen Teil selbst ausmachen. Daher braucht Berlin auch einen gemeinsamen Werteunterricht! Die Einführung des Brandenburger Modells – in Brandenburg besitzt weniger als 5 % der Schülerschaft einen Migrationshintergrund – würde den Berliner Realitäten überhaupt nicht gerecht.
- Aus dem Blick geraten in dieser Debatte auch die Schülerinnen und Schüler, die freiwillig an den unterschiedlichen Weltanschauungsfächern teilnehmen. Und dies sind nicht wenig, wie die Argumentation der CDU vermuten lassen könnte. Am evangelischen Religionsunterricht nehmen nach Auskunft der Evangelischen Kirche (EKBO) knapp über 80.000 Schülerinnen und Schüler teil. Nach Hochrechnungen des HVD Berlin-Brandenburg beträgt die Anzahl der Lebenskundeschüler/-innen in Berlin in diesem Jahr erstmals mehr als 50.000. Am katholischen Religionsunterricht nahmen im vergangenen Jahr etwas mehr als 25.000 Schüler teil. Es folgten mit weitem Abstand der islamische, der jüdische und sonstiger Religions- und Weltanschauungsunterricht. Wenn es nun darum gehen soll, den Religionsunterricht gegenüber anderen Weltanschauungsfächern besserzustellen, ist zu vermuten, dass die CDU angesichts dieser Zahlen nur den christlichen Religionsunterricht aufwerten will. Mit dieser Debatte wird den Schülerinnen und Schülern in Berlin vermittelt, es gebe einen höher- und minderwertigen Weltanschauungsunterricht. Dies ist mit Verlaub nicht der Fall. Der weltanschaulich geprägte Werteunterricht findet in Berlin als freiwilliges Unterrichtsfach für alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gleichberechtigt neben dem verpflichtenden Ethikunterricht statt – „und das ist auch gut so“, um Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zu zitieren. Die Besserstellung des christlichen Religionsunterrichtes zöge eine künstliche Trennlinie zwischen den Berliner Schülerinnen und Schülern, die einem toleranten und weltoffenen Berlin widersprechen würde.
- Das Vorgehen der Berliner CDU ist ein verfassungspolitischer Irrweg. Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind gem. Grundgesetz Art. 140 in Verbindung mit dem nach wie vor geltenden Art. 137, Abs. 7 der Weimarer Reichsverfassung gleichgestellt. Die Besserstellung des Religionsunterrichts etwa gegenüber dem Lebenskundeunterricht des Humanistischen Verbandes verstößt gegen diesen Verfassungsgrundsatz.
Will die CDU in der Hauptstadt eine Politik gestalten, die sich an den gesellschaftlichen Realitäten und Bedürfnissen der Berlinerinnen und Berliner orientiert, dann muss sie ihre ideologische Brille abnehmen. Die Berliner Bevölkerung lebt zum Großteil konfessionsfrei, ohne dabei die Bedürfnisse der Gläubigen zu beschneiden. Nun sollte die Partei nicht beginnen, die Grundlage für dieses friedliche und tolerante Miteinander zu zerstören, will sie nicht von Anfang an an den Berlinerinnen und Berlinern vorbeiregieren.
Und auch die SPD, die 2009 das Bündnis Pro Ethik unterstützt hatte, ist gut beraten, wenn sie auf das Drängen der CDU nicht eingeht und die bewährte Berliner Regelung unangetastet lässt. Denn einen Koalitionsvertrag, der zwar das gemeinsame Regieren erlaubt, aber an den Realitäten und Bedürfnissen der Stadt vorbeigeht, kann nun wirklich niemand gebrauchen.
PRESSEMITTEILUNG der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus -
Berlin
NR. 373 Datum: 27. Oktober 2011
Ja zum Ethikunterricht, ja zum freiwilligen Religionsunterricht!
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, sagt zur Absicht der CDU, das Berliner Modell des freiwilligen Religionsunterrichts abzuschaffen:
Nach dem Berliner Modell findet der Unterricht der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften für Schülerinnen und Schüler in Berlin freiwillig statt. Die Schülerinnen und Schüler können die
Angebote der evangelischen und der katholischen Kirche, den jüdischen, islamischen und buddhistischen Religionsunterricht sowie den Lebenskundeunterricht des Humanistischen Verbands freiwillig in
Anspruch nehmen. Daneben wurde 2006 der Ethikunterricht ab der siebten Klasse als verpflichtender Unterricht eingeführt. 2009 haben sich die Berlinerinnen und Berliner bei einem Volksentscheid
mehrheitlich gegen die Abschaffung des Berliner Modells entschieden und ein Wahlpflichtfach Religion abgelehnt.
Anscheinend möchte die CDU dieses nun ändern und sich im Rahmen der Koalitionsgespräche mit der SPD für eine Aufweichung des Berliner Modells einsetzen. Sie will den Religionsunterricht auf die
Stufe des Ethikunterrichts heben und somit ein Wahlpflichtfach Religion einführen, wonach sich die Schülerinnen und Schüler entweder für den Ethik- oder den Religionsunterricht entscheiden
müssen. Damit will CDU die Berliner Errungenschaft des bewährten gemeinsamen wertebildenden Unterrichts abschaffen. Herr Wowereit und Berliner SPD sind gut beraten, sich den Versuchen der CDU zu
widersetzen, das Ergebnis des Volksentscheids "Pro-Reli" in Frage zu stellen und ein Wahlpflichtfach Religion einzuführen.
Unsere Position ist klar: Ja zum gemeinsamen Ethikunterricht und ja zum freiwilligen Religionsunterricht. Die gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Vielfalt in unserer Stadt bietet Chancen
und Konflikte. Wenn Integration gelingen soll, brauchen wir an der Schule Verständigung über gemeinsame Regeln und einen Raum für den Dialog. Ein Wahlpflichtbereich, der Schülerinnen und Schüler
nach Bekenntnissen separiert, manifestiert die Andersartigkeit und ist desintegrativ!
PM HVD 10_2011.pdf
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Wahlprüfsteine zum Ethikunterricht
Der Fachverband Ethik, Landesverband Berlin, hat rechtzeitig vor der Abgeordnetenhauswahl Wahlprüfsteine zum Ethikunterricht an die fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien verschickt und von vier Parteien Antworten erhalten.
Hier der Brief des Fachverbandes beispielhaft an die SPD-Zentrale mit den fünf Fragenkomplexen:
An den Landesverband
der SPD
Müllerstr.163
13353 Berlin
Liebe Mitglieder des Landesvorstandes,
der Fachverband Ethik in Berlin hat nach dem eindeutigen Votum der Wähler für einen Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler im Jahr 2009 und angesichts der teils unbefriedigenden Entwicklung des Faches in den Schulen im Hinblick auf die Berliner Landtagswahlen im Herbst 2011 einige wichtige Fragen, die wir Sie bitten, zu beantworten.
Es geht dabei um die Position ihrer Partei bezüglich der Konsolidierung des Faches Ethik und der Weiterentwicklung seiner Qualität in der nächsten Legislaturperiode.
Wir fragen:
Sind Sie bereit, nach der Wahl darauf hinzuwirken, dass die Senatsverwaltung durch den tatsächlichen Einsatz der bereits für Ethik qualifizierten Lehrkräfte dafür sorgt, dass der Anteil des
fachgerecht erteilten Ethikunterrichts an Berliner Schulen auf 75% erhöht wird?
Die Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Kleine Anfrage 16/15015 weist aus, dass von 1.649 Ethik unterrichtenden Lehrkräften nur 161 fachgerecht ausgebildet sind, obwohl nach Auskunft zur Kleinen Anfrage 16/14784 bereits 1.122 Lehrkräfte für den Ethikunterricht qualifiziert waren bzw. wurden.
Das Verhältnis der von ausgebildeten Ethiklehrkräften erteilten Unterrichtsstunden (1.306) zu denen von Fachfremden (6.331) erteilten Ethikstunden pro Woche bedeutet, dass derzeit nur 17,1% der Berliner Schüler von in Ethik ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden, obwohl bei Einsatz aller für Ethik ausgebildeten und fortgebildeten Lehrkräfte dies statistisch bis zu 85% möglich wäre.
- Sind Sie bereit,
sich dafür einzusetzen, dass die Senatsverwaltung für Bildung endlich einen besoldungsrechtlich relevanten universitären berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang für das Lehramt Ethik entsprechend dem einschlägigen Beschluss des Abgeordnetenhauses vom August 2006 einrichtet, um das Fach Ethik den anderen Fächern gleich zu stellen?
Dies ist notwendig, um die - auch nach positiver Beantwortung von Frage 1 - noch fehlenden Lehrkräfte für das Fach Ethik zu qualifizieren. Bei der Ermittlung des Bedarfs ist auch das Ausscheiden aus Altersgründen für Ethik qualifizierter Lehrkräfte zu berücksichtigen.
- Sind Sie bereit,
auf die Senatsverwaltung für Bildung dahingehend einzuwirken, dass alle Vorgaben des Schulgesetzes zum Ethikfach in einem überarbeiteten Rahmenlehrplan eingelöst werden?
In dem gegenwärtigen geltenden Rahmenlehrplan sind die Anteile sozialen und religionskundlichen Lernens (z.B. interkulturelle Kompetenz) gegenüber den Anteilen zur Entwicklung ethischer Urteilsbildung unterrepräsentiert.
- Sind Sie bereit,
sich dafür einzusetzen, dass durch eine Ausführungsvorschrift die teilweise praktizierte ausschließliche Kooperation zwischen Ethiklehrkräften und Lehrkräften für evangelischen Bekenntnisunterricht schulgesetzkonform auf eine punktuelle Kooperation (maximal 6 Unterrichtstunden) eingeschränkt und Kooperationen mitVertreterInnen anderer Religions-und Weltanschauungsgemeinschaften gefördert werden?
Damit soll sowohl eine Doppelfinanzierung einer Ethikstunde eingespart als auch für Eltern und Schüler eine rechtlich klare Trennung zwischen bekenntnisorientiertem Religionsunterricht und religiös-weltanschaulich neutralem Ethikunterricht garantiert werden.
- Sind Sie bereit,
sich dafür einzusetzen, dass die Senatsverwaltung für Bildung allen an einer Weiterbildung „Ethik“ interessierten Lehrkräften weiterhin wie bisher dafür drei Abminderungsstunden gewährt?
Margret Iversen,
Vorsitzende des
Fachverbandes
Christiane Wiemann
Stellvertretende Vorsitzende,
Sprecherin des Fachverbandes
Die Antworten:
Die SPD verweist wie die Senatsbildungsverwaltung auf die Lehrbefähigung aller Berliner Lehrkräfte für Ethik und den Status Quo bei der
Weiterbildung und dem Grundstudium. Sie befürwortet ein Weiterbildungsstudium und verweist allein auf die bislang ergebnislosen Gespräche Senat - Unis.
Bei der Einschätzung des Rahmenlehrplans berichtet die Regierungspartei wiederum über die Fortschreibungsaktivität der Senatsverwaltung.
Kooperationen liegen für die SPD allein in der Verantwortung der Schulen - weiterer Regelbedarf wird nicht gesehen. Allerdings will die Partei weiterhin drei Abminderungstunden für Lehrkräfte in der berufsbegleitenden Fortbildung gewähren.
Zusammen mit SPD und Bündnis 90/Die Grünen hat die Linke im Parlament die Einführung des Ethikunterrichts
beschlossen. Auch setzte sie sich beim Volksentscheid von "Pro Reli" für die Beibehaltung des verbindlichen Ethikunterrichtes ein. Im aktuellen Wahlprogramm der Linkspartei wird der Einsatz der Partei für den Ethikunterricht kurz erwähnt.
Die Linkspartei setzt sich für eine Verstärkung der Bemühungen um Fort- und Weiterbildung im Ethikunterricht ein, bezweifelt aber die vom Senat angegebenen
geringen Prozentzahlen der Qualifizierten. Sie unterstützt die Weiterbildung für das Fach mit angemessenen Abminderungsstunden auf der Basis von Hochschulverträgen als Masterstudiengang und will
für die Überarbeitung des Rahmenlehrplans die Praxiserfahrungen und die Kompetenz des Fachverbandes Ethik einbeziehen. Ausführungsvorschriften für die Kooperation mit Religions- und
weltanschauungsgemeinschaften werden nicht für notwendig gehalten, wenn sich die Schulaufsicht um Bescherden kümmert und das 1+1+1-Modell unterbunden wird. Die bisherigen Abminderungsstunden für
Fortbildung sollen nicht gekürzt werden.
Die CDU setzt sich für 100% Fachlehrkräfteeinsatz ein und kritisiert die Zustände dieses ideologisch begründetenFachs. Sie plädiert für das
Wahlpflichtfach Religion und Ethik/Philosophie, das zudem sowohl in die Grundschule als auch in die Oberstufe gehöre. Der angebliche Sonderweg Berlins wird abgelehnt. Die CDU
plädiert für eine fachbezogene Lehramtsausbildung und Weiterbildung an den Universitäten. Sie verweist auf den Rahmenplan für den Schulversuch EThik/Philosophie und hält dies für das bessere
Modell,d as vom Senat aus ideologischen Gründenabgelehnt wurde.
Bei der Kooperation hält die Partei alle Einschränkungen für schädlich und verweist erneut auf ihr Alternativmodell.
Eine neue Fort- und Weiterbildungskonzeption und eine geignete Arbeitszeitorganisation wired für notwendig erachtet. Die fortdauernde Bevorzugung des Faches Ethik wird kritisch
eingeschätzt.
Die FDP befürwortet eine Untersuchung der Gründe für die nicht ausreichende Qualifizierung der Ethiklehrkräfte und begrüßt die (angeblichen) Verhandlungen des Senats mit den Universitäten über einen weiterbildenden Studiengang. Sie findet die Schulgesetzvorgaben ausreichend im Rahmenlehrplan wiedergegeben und plädiert wie bei der Kooperationsfrage für Freiheiten an den Schulen statt für bevormundende Ausführungsvorschriften.
Fort- und Weiterbildung der Pädagogen soll in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden und dies in einem neuen Lehrerjahreszeitarbeitsmodell berücksichtigt werden.
Bündnis 90/Die Grünen betonen ihren Einsatz für den Ethikuntericht und wollen sich dafür einsetzen, den Anteil des fachgerecht erteilten
Ethikunterrichts kontinuierlich zu steigern. Weitere Anstrengugen in der Weiterbildung werden erforderlich gehalten. Der FU-Studiengang und eine Koopperation mit LER in Brandenburg scheinen dafür
am besten geeignet.
Die Intention des Schulgesetzes sollen bei der Überarbeitung des Rahmenlehrplans hinsichtlich der sozialen und religionskundlichen Kompetenz überprüft werden. Eine Kooperation mit allen
Religionsgemeinschaften und Anreize dafür ohne Ausführungsvorschrift wird befürwortet. Lehrkräfte müssen für ihr intensives Weiterbildungsstudium hinreichendes Bedingungen vorfinden. Das
Lehrerfort- und Weiterbildungskonzept wird als entwicklungsbedürftig angesehen und mit den Beteiligten müssen bessere Strukturen beraten werden. Dies gilt auch für an Ethik interessierte
Lehrkräfte.
Fachverband Ethik LV BerlinSPD Wahlprüfs
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„Fotografie www.evelinfrerk.de“
Gerd Eggers, Koordinator des Bündnisses Pro Ethik, ist am Sonnabend, dem 12. März 2011 nach mehrjähriger Krebserkrankung entschlafen.
Wir würdigen sein jahrelanges unermüdliches Engagement für den LER-Unterricht im Land Brandenburg und den verbindlichen Ethik-Unterricht im Land Berlin. Er hat immer gegen politisch oder religiös geprägte Intoleranz und für einen praxistauglichen Humanismus gekämpft! Wir werden sein Andenken bewahren und weiter für die Verbesserung des Faches Ethik eintreten!
Für den Koordinierungskreis:
Dr. Gerhard Weil, Sprecher
Rede von Peter Kriesel anläßlich der Urnenbeisetzung von Gerd Eggers am 7. April 2011
Erinnerungen, Würdigung und Abschied von Gerd Eggers
- ein Wanderer zwischen Welten (7.4. 2011)
Liebe Angehörige, liebe Mutter Gisela, Tochter Maria und Partner Volkmar, lieber Aaron
Liebe Söhne Thomas und Stefan und Verwandte,
Liebe Freunde und Bekannte von Gerd Eggers,
Wer war Gerd Eggers,
- an den wir uns heute erinnern,
- dessen Leben wir heute würdigen wollen und
- von dem wir uns heute verabschieden?
Gerd war Sohn, Partner - Freund, Vater und Großvater.
Gerd war ein selbstorganisierter, kreativer und engagierter Arbeiter – aber in den letzten 15 Jahren ohne festes Arbeitsverhältnis (und dementsprechend meist ohne angemessene Entlohnung)
Er arbeitete ständig mit wissenschaftlichem Niveau – obwohl er nach seinem Diplom als Lehrer, das er mit „Auszeichnung“ abschloss, keine weiteren akademischen Grade mehr erwarb.
Gerd war ein freischaffender – aber einflussreicher Bildungspolitiker ohne Mandat.
Er war ein Ausbeuter – er beutete sich selbst aus.
Gerd stand immer bescheiden in der zweiten Reihe – obwohl er bei den ihm wichtigen Dingen wie ein Frontmann stand.
Er stand im Widerstand gegen Zwänge und Ungleichbehandlungen im Leben und
Gerd liebte die freie und selbstbestimmte Lebensgestaltung.
Gehen wir nun mit ihm durch die Stationen seines Lebens.
1. Station: Gerd am Start ins Leben
Im August 1944 hatten seine Eltern geheiratet.
Gerd wurde am 21. 12. 1948 als zweites Kind in Oldenburg geboren, nach seiner Schwester Heidi, die zwei Jahre alt war.
An Gerds Wiege standen sein Vater, der Fernmeldetechniker Bernhard Eggers, und seine Mutter Gisela, die seit der Verhaftung ihres Vaters 1935 - mit ihrer Mutter und ihrem Zwillingsbruder auf der Flucht vor den Nazis quer durch Europa gewesen war.
Wie aber sah Deutschland damals aus? Wie also standen für Eltern und Kinder damals die Chancen für ein unbeschwertes Familienleben, für eine sorgenfreie Kindheit?
Um Gerd und seine Eltern herum gab es Trümmer, Trümmer und nochmals Trümmer.
Trümmerfrauen mussten Steine für den Wiederaufbau klopfen. Ihre Ehemänner kamen entweder gar nicht wieder aus dem Krieg oder körperlich und seelisch beschädigt. Und viele Menschen mussten in ihren Köpfen die Trümmer ihrer Begeisterung beseitigen, mit der sie dem größten Zertrümmerer aller Zeiten zugejubelt hatten.
Schauen wir uns an, welchen Weg Gerd Eggers nach diesem Start in seinem Leben gegangen ist, was er aus seinem Leben gemacht hat.
2. Station: Gerd als Wanderer zwischen West und Ost – Lehr- und Wanderjahre mit Höhen und Tiefen
Im August 1949 zogen Gerds Eltern mit ihren beiden Kindern von Oldenburg nach Berlin, der Heimat seiner Mutter. Gerd wird also vom Wessi zum Berliner, genauer zum Ost-Berliner. Damals eine Richtung des Wanderns gegen den Trend.
1953 wurde seine Schwester Sonja und 1956 sein Bruder Günther geboren.
Der Vater ließ sich 1960 scheiden und kehrte nach Oldenburg zurück. Dabei brach er auch jeglichen Kontakt zu den Kindern ab. Das war für Sie alle, und für Gerd ein schwerer Schlag.
Gerd besuchte die Schule in Berlin und lernte fleißig. Er machte 1966 sein Abitur mit „sehr gut“ und eine Berufsausbildung zum Elektromonteur, die damit verbunden war, schloss er mit „Auszeichnung“ ab.
Nach dem Abitur verpflichtete er sich auf 10 Jahre bei der Nationalen Volksarmee (NVA). Als er nach zwei Jahren merkte, dass er für diesen Beruf nicht geschaffen ist, verließ er trotz großer Hindernisse 1969 die Offiziersausbildung.
Danach studierte Gerd an der Humboldt-Universität Soziologie. Als er nach zwei Jahren Studium aus der SED austrat, und zwar aus Protest gegen Faulenzer und Kriecher unter den Genossen in seiner Studiengruppe, bedeutete dies 1973 das Ende des Studiums. Er solle sich erst in der Produktion bewähren, sagte man ihm, bevor er noch einmal an das Studieren denke.
So ging er fünf Jahre einer praktischen Arbeit nach, als Elektromonteur und je ein Jahr in einem Kinderheim in Potsdam und in der Staatsbibliothek in Berlin, ohne aber dabei das Studium als Ziel aus den Augen zu verlieren.
Von 1979 bis 1983 studierte Gerd, während er an der Humboldt-Universität als technischer Assistent arbeitete, extern für das Unterrichtsfach Polytechnik. Dieses Studium schloss er mit „Auszeichnung“ ab.
Im Titel seiner Diplomarbeit tauchte übrigens schon ein Begriff auf, der ihn in den letzten 20 Jahren seines Lebens noch intensiv beschäftigen wird, der Begriff der Lebensgestaltung.
Von 1986 – 1991 war Gerd Leiter des wissenschaftlichen Dokumentationszentrums der Sektion Pädagogik der Humboldt-Universität.
Gerd heiratete 1976 und im gleichen Jahr wurde seine Tochter Maria geboren. Nach der Scheidung wurde die Tochter ihm zugesprochen, sodass er alleinerziehender Vater war.
Aus seiner 2. Ehe gingen die Söhne Thomas und Stephan hervor.
Am 9. November, einem deutschen Schicksalsdatum, kam 1989 die Wende.
3. Station: Gerds Meisterjahre - als engagierter Gestalter in der Bildungspolitik von Brandenburg und Berlin
Gerd Eggers gehörte zu denen, die sich kurz nach der Öffnung der Mauer im Haus des Lehrers am Alexanderplatz einfanden, um die neue Gestaltungsfreiheit in der Bildung zu diskutieren, Konzepte zu entwickeln und um Verbündete für die Entwicklung eines neuen Fachs für die Schüler zur Lebensgestaltung zu finden.
Vor fast genau 20 Jahren, am 5.Mai 1991 traf ich dann Gerd das erste Mal auf einer Veranstaltung in Potsdam, wo über das Konzept und die Einführung des Faches Lebensgestaltung-Ethik-Religion (LER) in Brandenburg diskutiert wurde, welche dort die Ampelkoalition beschlossen hatte.
Aber bevor ich weiter von Gerds beruflichen Aktivitäten und verschiedenen Engagements spreche, die auf der Homepage des Bündnisses Pro Ethik zumeist schon gut zur Sprache kommen, und die von Berlin, Potsdam, Schwerin über Hannover bis Luxemburg gewürdigt werden, möchte ich mich dem zuwenden, was er mochte und was ihm persönlich wichtig war, ohne dass er darüber viel redete.
Seine besondere Vorliebe galt der klassischen Musik und bestimmten Filmen, so mochte er besonders den Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“. Aus diesem hören wir nun seine Lieblingsmelodie.
Gerd hatte gute Beziehungen zu Personen über Religionen, Weltanschauungen und Kulturen hinweg - von Humanisten, Atheisten über Christen, Muslime u. Juden bis hin zu Buddhisten. Das spricht für seine breite Toleranz. Was er jedoch nicht tolerierte, waren Privilegien für einzelne Religionen bzw. Konfessionen. Denn ihm war klar: Jedes Privileg für eine Seite zieht für andere automatisch Benachteiligungen bis Diskriminierungen nach sich. Dagegen kämpfte er bis hin zu juristischen Mitteln. Das weckte seinen Widerstandsgeist, den ihm seine Großeltern, seine Mutter und sein Onkel vorgelebt haben.
Hatte er sich für ein Anliegen und eine Aufgabe entschlossen, so setzte er sich mit allen Kräften und hartnäckig dafür ein. Zwangsläufig führte sein übermäßiger Einsatz in der Arbeit zu Abstrichen in seinem persönlichen Bereich. Insofern haben Gerds Familie und Kinder an seinem Engagement indirekt mitgetragen.
Für Ihren unfreiwilligen, aber faktischen Beitrag zu Gerds Erfolgen sei seiner Familie und seinen Angehörigen an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.
Nach seiner Erkrankung hat Gerd seine familiären Kontakte wieder mehr wahrgenommen. Besonders sein Enkel Aaron, der 2004 geboren wurde, erlebte ihn als zugewandten und liebevollen Großvater. Gerd war Arons Lieblingsopa. In seinem Garten durfte Aron Blumen und Pflanzen gießen, Steine stapeln oder seinem Opa dabei helfen, sein kleines Zelt aufzubauen. Gerd ist im Opa-Sein richtig aufgegangen, es gibt viele Fotos, die ihn als stolzen Großvater zeigen.
Den Schrebergarten in der Nähe seiner Wohnung hatte sich Gerd 2006 gepachtet, entrümpelt, saniert und ausgebaut, mit Unterstützung seines Bruders, seiner Partnerin und Freunden unter den Russlanddeutschen. Dieser Garten war sein Projekt für die Familie, es sollte ihm aber auch selber als Motiv für mehr Bewegung und Erholung im Grünen dienen, damit er nicht nur am Computer sitzt und arbeitet.
Auffallend bei Gerds Einsatz war, dass er seine wichtigen Vorarbeiten, grundlegenden Beiträge und sein großartiges organisatorisches Talent bescheiden einbrachte, wenn auch zielführend. Ich habe ihn bei Veranstaltungen, Pressegesprächen und Debatten im gegnerischen Lager so erlebt, dass er unauffällig sich wie in der zweiten Reihe verhielt. War jedoch etwas Wichtiges noch nicht gesagt worden, dann meldete er sich mit vollem Einsatz.
Gerd hatte einen unbändigen Bildungshunger. Nach seinem Abschied traf ich in seiner Wohnung bei den Vorarbeiten zur Archivierung seiner Materialien immer wieder für einzelne Themen umfangreiche Kopien aus relevanten Büchern, Fachzeitschriften und dem Internet. Das galt für jedes Arbeitsgebiet – und davon hat er viele – und besonders für die geplante Dissertation bei Professor Lott in Bremen über die „Durchsetzung von Innovationen im Bildungsbereich“.
Ich glaube dieses Dissertationsthema hat er mit seinem Beitrag zur Einführung des Ethikfachs für alle Schüler in Berlin und bei der Verteidigung des Faches gegen die personelle und materielle Übermacht von „Pro Reli“ mit Bravour praktisch bearbeitet und bestanden, und zwar „Summa cum Laude“. Und für diese Aufgabe gab es nirgendwo Vorlagen, von denen Gerd irgendetwas hätte abschreiben können. Das Berliner Modell des Ethikunterrichts für alle ist eine absolut einmalige Innovation im Bildungsbereich der Bundesrepublik.
Herr Momper, der Schirmherr des „Bündnisses Pro Ethik“, der leider heute nicht unter uns sein kann, hat in seinem letzten Telefongespräch, als Gerd schon im Krankenhaus war, die Bedeutung seines Beitrags so ausgedrückt: „Herr Eggers, ohne Sie hätten wir es nicht geschafft.“
Der Leiter des Landesinstituts für Schule und Medien (in) Berlin-Brandenburg, Dr. Hofmann, drückte das in seinem Nachruf so aus: „Herr Eggers war über sehr viele Jahre einer der herausragendsten Protagonisten bei der Konstruktion und Verwirklichung des Unterrichtsfachs L-E-R an Brandenburger Schulen. Ferner hat er sich unvergessliche Verdienste bei der Entwicklung des Faches Ethik in Berlin erworben.“
Eine Koordinatorin für das Fach „Soziales und moralisches Lernen“ in Luxemburg, Frau Rita Jeanty, schrieb an Gerds Mutter: „Gerd Eggers hat einen Weg bereitet, auf dem es kein politisches Zurück geben wird, und der europaweit die Schulministerien inspirieren wird.
In diesem Sinne möchte ich Ihnen versichern, dass das Andenken an Gerd Eggers in Luxemburg lebendig ist und bleiben wird.“ Gerd war stolz auf diesen größten Erfolg seines Lebens und konnte ihn noch zwei Jahre lang überleben. Genießen konnte er diesen Erfolg jedoch leider nicht. Denn in den folgenden zwei Jahren sah er sich gezwungen, weiter im Bündnis für eine flächendeckende Qualifizierung der Ethiklehrkräfte und für die schulgesetzkonforme Überarbeitung des Rahmenlehrplans für Ethik in Berlin zu kämpfen.
Es wäre ihm sehr zu gönnen gewesen, dass er die dafür verbrauchten Kräfte mehr für sich selber und sein persönliches Wohlergehen hätte einsetzen können.
Zusammenfassend können wir über sein Leben sagen:
Zum Schluss bleibt uns nur noch eins:
- Eine dankbares Gedenken an Gerd Eggers von Ihnen als Verwandten, von Freunden und Bündnismitgliedern.
- Der trauernden Familie Eggers sei Dank für ihren Sohn, Bruder, Vater und Opa.
Wir werden Gerd ein ehrendes und dankbares Gedenken bewahren. Und wir werden den Staffelstab aus seiner Hand weitertragen, den er nun ganz in unsere Hände gelegt hat.
Weitere Würdigungen des Lebens und des Engagements von Gerd Eggers:
Gerd Eggers - Ein leise lächelnder Humanist
Unser Freund und Kollege Gerd Eggers ist am 12. März 2011 im Alter von 62 Jahren gestorben.
Er war schon lange an einer seltenen Krebsart erkrankt und musste mit der Aussicht auf ein baldiges Ende leben. Als er die deprimierende Diagnose erhielt, erwarteten die Ärzte für ihn nur noch wenige Monate Lebenszeit. Aber Gerd hatte Glück im Unglück. Die medizinische Forschung entwickelte mehrere Medikamente, die seine Krankheit in Schach halten konnten. So hat er noch über fünf Jahre leben können.
Gerd hat sich entschieden wie er die ihm verbleibende Zeit nutzen wollte. Er verstärkte sogar sein Engagement für einen verbindlichen Ethikunterricht in Berlin und für das Angebot des „Humanistischen Lebenskundeunterrichts“ in den Bundesländern.
Gerd hatte Erfolg. In Brandenburg, wo er als Koordinator für den Landesvorstand arbeitete, gelang es, den Lebenskundeunterricht vor Gericht zu erstreiten. Gerd hatte in den Jahren bis zu diesem positiven Urteil intensiv die Öffentlichkeitsarbeit betrieben, mit Politikern Kontakte hergestellt und die Beratungen mit den Rechtsanwälten begleitet. Wir können sagen, dass es zu einem großen Teil Gerds Arbeit war, die es heute bereits über 1.000 Schülerinnen und Schülern in Brandenburg ermöglicht am Humanistischen Unterricht teilzunehmen.
Nach diesem Erfolg widmete er sich als Bundesbeauftragter des Humanistischen Verbandes der Einführung des Lebenskundeunterrichts in anderen Bundesländern. Er half die Klagen dazu auf den Weg zu bringen, hat aber leider nicht mehr die gerichtlichen Entscheidungen erleben können. Oft haben wir aus Länderverbänden gehört „Wie hätten wird das alles ohne Gerd hinbekommen?“.
Er war trotz allem sehr bescheiden, sah sich immer als Teil eines Teams, obwohl er oft eine hervorgehobene Rolle spielte.
Gerds Engagement galt der Sache und nicht seiner eigenen Anerkennung. Wir haben ihn als grundehrlichen und vertrauenswürdigen Freund erlebt, bei dem man immer wusste, was er dachte. Mit ihm konnten wir lange diskutieren, denn Gerd war ein Optimist des vernünftigen Arguments. Seine Lebenseinstellung drückte sich darin aus, solange über ein Problem gemeinsam nachdenken zu wollen, bis ein Konsens gefunden wurde. Er ist mit dieser Haltung auch angeeckt und passte manchmal nicht in jede bürokratische Struktur. So wurde er in den 1970er Jahren von der Humboldt Universität verwiesen, in der er als FDJ-Sekretär in Widerspruch zur SED geraten war.
Wir jedenfalls konnten im Nachhinein immer sagen: „Gut, dass wir Gerds Argumente kennengelernt haben, uns an ihnen abgearbeitet haben, oder wie meistens, uns von ihnen überzeugen ließen.“
Sein – wohl auch subjektiv empfundener - größter Erfolg war die Auseinandersetzung rund um den Volksentscheid zum Ethikunterricht in Berlin. Gerd schrieb den ersten Entschlussentwurf für eine SPD-Abteilung. Dieser Text wurde zur Grundlage aller weiteren politischen Entscheidungen.
Natürlich war das Bündnis für den Ethikunterricht eine große Gemeinschaft von Organisationen und Personen, aber ich glaube sagen zu können, dass alle Beteiligten den Satz zustimmen würden. „Gerd war die zentrale Person“. Er hat zwar eher in der zweiten Reihe agiert, aber von ihm stammten die Grundsatzpapiere und die Kampagnenpläne. Er hat wie immer im Team gearbeitet und soviel Menschen wie möglich daran beteiligt - das war auch eine Grundhaltung seines demokratischen Selbstverständnisses. Seine Ruhe und seine selbstsichere Gelassenheit haben die Sitzungen geprägt. Gerd war sehr froh, das auch religiöse Gruppen sich im Bündnis für den Ethikunterricht engagierten. Die große Gemeinschaft über alle weltanschaulichen und religiösen Grenzen hinweg war sein Ziel und er hat dies in seinem politischen Leben praktiziert.
Als wir dann alle vor dem Fernseher am Abend des Volksentscheides standen und die Nachricht vom Erfolg gesendet wurde, brachen alle in Jubel und laute Freude aus. Ich stand neben Gerd. Er lächelte nur leise. Dann kamen die Glückwünsche. Irgendwie wollte sie jeder Gerd mitteilen – und wieder war da diese stille, bescheidene Freude bei Gerd, der schon wieder dabei war, die nächste Pressekonferenz zu planen.
Für ihn war der Ethikunterricht ein Modell des großen Bündnisses in der Gesellschaft, in dem gemeinsam gelernt wird sich mit Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beschäftigen, die Bedeutung der Menschenrechte für jeden Menschen kennenzulernen oder über Religionen und Weltanschauungen nachzudenken. Dieses Gemeinsame war seine Utopie, die ihn trug und mit der er den Menschen um ihn herum begegnete.
Die Schulpolitik in Berlin, die säkularen Verbände und die Unterstützer/-innen des Ethikunterrichts haben einen Freund verloren, dessen Engagement wohl nicht ersetzt werden kann.
Wir können Gerd Eggers wie er ruhig lächelt, in Erinnerung behalten.
Werner Schultz, HVD (Text erschien auch im hpd - Humanistischer Pressedienst)
Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
Gerd Eggers ist tot...
Das ist die Nachricht, die mich heute erreichte. Peter Kriesel, den einige von euch anlässlich der BAMA-Tagung in Köln kennen gelernt haben, hat mir die erschütternde Nachricht heute mitgeteilt.
Gerd Eggers war ein integrer Mensch, der nur eine Sache im Augen hatte: Demokratie, Toleranz und Integration. Im BAMA-Kreis – bei aktiven und nicht mehr aktiven Mitgliedern – hatte er – leider - nicht nur Unterstützer! (Das vielleicht – nicht nur - für die neuen im BAMA!)
Nach jahrelangen Krankheitsjahren ist er seinem schweren Leiden unterlegen. Dem BAMA – mir als
Vorsitzenden ganz besonders – war er ein treuer Freund, Kampfgenosse und Sinnesverwandter. Er hat
uns auf dem Wege zum Kampfe um LER stets beraten und begleitet. Ohne ihn wären unsere Anträge
anlässlich des Gewerkschaftstages in Nürnberg und der Berliner- und Bundes-Initiative zu „Pro Ethik mit
Religionen“ einfach nicht möglich gewesen... Viele Positionen des BAMA verdanken wir ihm...
In Mecklenburg-Vorpommern hatte sich Gerd in einer ähnlichen Initiative sehr stark engagiert! Er scheute
keine Mühe – trotz Krankheit und langen Wegen -, unsere Treffen im Schweriner Schloss zu unterstützen;
er war stets dabei. Erst vor kurzem – im Herbst - hatte er mir mitgeteilt, dass seine Kräfte nicht mehr
ausreichen würden und mir allein die Verantwortung für die Fortsetzung unserer Kampagne anvertraut.
Peter Kriesel, als sein langjähriger Freund und Mitstreiter, sprang aber neulich für ihn ein; darüber berichtete
ich anlässlich der letzten Tagung in Göttingen.
Der LAMA Berlin und der BAMA haben einen treuen Freund verloren. Ich möchte gern hiermit beantragen,
dass die nächste BAMA-Tagung mit einer Schweigeminute zu seinem Andenken beginnt.
Mit GEW-Grüßen
Der ehemalige Bundesvorsitzende des Bundesausschusses für Multikulturelle Angelegenheiten BAMA der GEW
Alain R. G. Raymond
Lieber Herr Kriesel,
vielen Dank für die Nachricht - auch wenn sie sehr traurig ist. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung nicht nur um den unschätzbaren und erfolgreichen Einsatz, den Herr Eggers über viele Jahre für
das Schulfach "Ethik" erbracht hat; sondern auch und vor allem erinnere ich mich an ihn als stets kompetenten, freundlichen und, wo nötig, hartnäckigen Gesprächspartner.
Ich werde ihn in bester Erinnerung behalten.
Den weiteren Einsatz für den Ethikunterricht werden wir gemeinsam als Vermächtnis von Gerd Eggers verstehen.
Bitte richten Sie den Angehörigen mein Beileid aus!
Mit freundlichem Gruß
Ihr Prof. Dr. Michael Bongardt, FU-Berlin
Lieber Gerhard,
die Nachricht hat mich schockiert. Vor wenigen Wochen habe ich noch mit ihm telefoniert. Er war nicht nur ein engagierter Ethikfach Kämpfer, sondern auch ein toller und vorbildhafter Mensch. Er
wird mir fehlen!
Möge er in Frieden ruhen.
Özcan Mutlu, MdA, Schulpolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen
Lieber Herr Kriesel,
vielen Dank für Ihre Mail mit der sehr unerfreulichen Mitteilung. Wir sind tief betroffen! Wir haben Gerd Eggers immer bewundert, wie er mit seiner Krankheit umgegangen ist und trotz allem immer
aktiv und engagiert gewesen und geblieben ist. Wir haben ihn stets als zuverlässigen, konstruktiven Mitstreiter empfunden und werden ihn auch so in Erinnerung behalten. Sein Ableben ist ein
großer menschlicher Verlust.
Auch für Sie und Ihre weitere Arbeit ist es sicher sehr schwer, ohne Gerd Eggers auskommen zu müssen.
Wir wünschen Ihnen viel Kraft und Zuversicht dabei.
Herzliche Grüße
Gerrit Große , Bildungspolitische Sprecherin der Linkenfraktion im Brandenburger Landtag und Prof. Dr. Dörte
Putensen
Sehr geehrter Herr Kriesel,
mit Betroffenheit haben wir vom Tod von Herrn Eggers erfahren. Herr
Eggers war über sehr viele Jahre einer der herausragendsten
Protagonisten bei der Konstruktion und Verwirklichung des
Unterrichtsfachs L-E-R an Brandenburger Schulen. Ferner hat er sich
unvergessliche Verdienste bei der Entwicklung des Faches Ethik in Berlin
erworben.
Herr Eggers wirkte in den 90er Jahren in einem kreativen Team von
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Institutes, zu dem auch Sie
und Herr Christian Lange zählten. Wir werden die Arbeitsweise, das
Engagement und die Gestaltungsfreude von Herrn Eggers in Erinnerung
behalten.
Im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landesinstituts für
Schule und Medien Berlin-Brandenburg bitte ich Sie, allen Verwandten und
Freunden von Gerd Eggers mein herzliches Beileid zu übermitteln.
In stillem Gedenken
Dr. Jan Hofmann
Direktor des
Landesinstitutes für Schule und Medien Brandenburg
Liebe Mitstreiter,
auch auf die Gefahr hin, zu konfessionell zu erscheinen, aber hier
bewegen wir uns außerhalb des professionellen Bereichs: Ich werde
Herrn Eggers in mein Gebet einschließen.
Danke für die Nachricht.
Herzlich
Prof. Dr. Johann Evangelist Hafner von der Uni Potsdam, Institut für LER
Sehr geehrter Herr Dr. Weil,
geschockt habe ich gerade beim Humanistischen Pressedienst die Nachricht über den Tod von Gerd Eggers gelesen. Ich kann das gar nicht fassen. Vor 4 Wochen haben wir noch per E-Mail kommuniziert.
Ich möchte gern meine Anteilnahme ausdrücken und hoffe, ich bin da bei Ihnen, dem anderen Kopf des Dialogforums Ethik, richtig.
Herr Eggers war für mich immer ein zuverlässiger Ansprechpartner. Ich denke, er hat sehr große Verdienste im Zusammenhang mit dem Ethikunterricht in Berlin. Ich werde ihm ein Andenken
bewahren.
In der Hoffnung, dass es mit dem Dialogforum Ethik nun trotzdem oder jetzt erst recht weiter geht
Beate Turner
Abschied von Gerd Eggers
Nachruf des Fachverbands LER (Land Brandenburg)
Gerd Eggers, Mitbegründer des Faches Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) und des Fachverbandes LER e.V. ist am Sonnabend, den 12. März 2011 von uns gegangen. Er hat fünf Jahre – unterstützt von der Entwicklung in der Pharmazie – erfolgreich gegen Krebs gekämpft.
Gerd Eggers zählt zu den ersten in der Volksinitiative Bildung, die sich schon Ende 1989 für die Einführung eines Unterrichtsfaches zur Lebensgestaltung eingesetzt hat. Von Berlin aus unterstützte er dann auch die Vorarbeiten für ein solches Fach im Land Brandenburg.
Gerd wirkte in der Projektgruppe des Modellversuchs LER in der Rahmenplankommission mit und leitete die Befragung der Lehrerschaft und der Schüler im Modellversuch. Jahrelang war er auch nach dem Modellversuch Mitglied im Vorstand des Fachverbandes. In dieser Position gab er viele Anstöße zur Darstellung und Vertretung des heiß umstrittenen Faches in der Öffentlichkeit sowie zur Verbesserung des Rahmenlehrplans.
Dass Gerd nach seiner Arbeit im PLIB (jetzt LISUM) seit 1996 im Arbeitskreis Bildung der SPD in Berlin sich aktiv gegen die Einführung eines Wahlpflichtbereiches Religion-Ethik einsetzte, ist den wenigsten im Land Brandenburg bekannt. Damit wurde in Brandenburg auch LER der Rücken frei gehalten gegen ähnliche Bestrebungen in unserem Land.
An der Einführung des Pflichtfaches Ethik in Berlin für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 7-10 (ohne Abmeldung) hatte er sehr großen Anteil.
Die überragende Bedeutung von Gerd Eggers als Koordinator des „Bündnisses Pro Ethik“ beim Berliner Volksentscheid von Pro Reli im April 2009 hat Herr Momper, der Schirmherr des Bündnisses, auf den Punkt gebracht, als er ihm sagte: „Ohne sie, Herr Eggers, hätten wir es nicht geschafft.“
Mit Genugtuung konnte Gerd den überragenden Sieg des breiten „Bündnisses Pro Ethik“ gegen die ökonomische und personelle Überlegenheit der Gegner im April 2009 feiern und fast zwei Jahre überleben.
Wir danken Gerd für seinen kompetenten, beharrlichen und aufopferungsvollen Einsatz für das Fach LER in Brandenburg und das Pflichtfach Ethik in Berlin.
Der Fachverband LER e.V. wird Gerd Eggers stets ein ehrendes Gedenken bewahren.
Der Vorstand des Fachverbandes LER
Peter Manjowk (Vorsitzender)
Lieber Peter,
mit großer Betroffenheit habe ich Deine Mail gelesen. Ein Freund, auf den ich mich immer habe verlassen können und dem ich vertrauen durfte, ist den Weg schon gegangen, den wir alle irgendwann
gehen werden.
Auch Du hast Deinen Freund und Mitkämpfer verloren, der nie sein Ziel aus den Augen verlor und genau wusste, wofür er kämpfte: Für eine bessere Welt, für ein besseres Miteinander.
Wer wird da sein, der diese Arbeit ersetzen kann? Wer wird trösten wie er? Wer wird Hoffnung geben wie er?
Anbei die offizielle Mitteilung des Fachverbands W+N an seine Mitglieder.
Traurige Grüße
Dr. Christel Hasselmann, Fachverband Werte und Normen aus Niedersachsen
Abschied von Gerd Eggers
Gerd Eggers, Kämpfer für das Pflichtfach Ethik und Koordinator des Bündnisses Pro Ethik, ist am Sonnabend, den 12. März
2011 nach mehrjähriger Krebserkrankung entschlafen.
Wir würdigen sein jahrelanges unermüdliches Engagement für den LER-Unterricht im Land Brandenburg, den verbindlichen Ethik-Unterricht im Land Berlin und die
Unterstützung der Ausgestaltung des Unterrichtsfaches Werte und Normen in Niedersachsen. Sein Leben galt dem Kampf gegen politisch oder religiös geprägte Intoleranz. Mit großem Mut und gegen
massive Widerstände setzte sich Gerd Eggers für die Einrichtung des Pflichtfaches Ethik in Berlin, dem zeitgemäßen, für alle Schüler verpflichtenden und konfessionsneutralen
religionskundlich-ethischen Unterrichtsfach, ein. Seine fachkompetente Beratung, seine ausgeglichene ruhige Art und seine Veröffentlichungen in unserer W+N waren auch uns in Niedersachsen eine
unschätzbar große Ermutigung und Hilfe. Wir werden sein Andenken bewahren und in seinem Sinne weiter für die Verbesserung der Fächer Ethik und Werte und Normeneintreten!
In tiefer Trauer und Dankbarkeit
Dr. Christel Hasselmann Vorsitzende des Fachverbandes Werte und Normen in Nds. e.V.
Abschied von Gerd Eggers
Nachruf des Fachverband Ethik – Bundesverband e. V.
Gerd Eggers, Mitbegründer des Faches Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) und des Fachverbandes LER e.V., ist am Sonnabend, den 12. März 2011 von uns gegangen. Er hat fünf Jahre – unterstützt von der Entwicklung in der Pharmazie – erfolgreich gegen Krebs gekämpft.
Gerd Eggers zählt zu den ersten in der Volksinitiative Bildung, die sich schon Ende 1989 für die Einführung eines Unterrichtsfaches zur Lebensgestaltung eingesetzt hat. Von Berlin aus unterstützte er dann auch die Vorarbeiten für ein solches Fach im Land Brandenburg.
Gerd Eggers wirkte mit in der Projektgruppe des Modellversuchs LER in der Rahmenplankommission und leitete die Befragung der Lehrerschaft und der Schüler im Modellversuch. Jahrelang war er auch nach dem Modellversuch Mitglied im Vorstand des Fachverbandes. In dieser Position gab er viele Anstöße zur Darstellung und Vertretung des heiß umstrittenen Faches in der Öffentlichkeit sowie zur Verbesserung des Rahmenlehrplans.
Dass Gerd Eggers nach seiner Arbeit im Pädagogischen Landesinstitut Brandenburg seit 1996 im Arbeitskreis Bildung der SPD in Berlin sich aktiv gegen die Einführung eines Wahlpflichtbereiches Religion-Ethik einsetzte, ist den wenigsten im Land Brandenburg bekannt. Damit wurde in Brandenburg auch LER der Rücken frei gehalten gegen ähnliche Bestrebungen.
An der Einführung des Pflichtfaches Ethik in Berlin für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 7-10 (ohne Abmeldung) hatte er sehr großen Anteil. Sein Einsatz hat es ermöglicht, bundesweit über eine Übertragung des Berliner Modells nicht nur nachzudenken, sondern sie aktiv zu vertreten.
Die überragende Bedeutung von Gerd Eggers als Koordinator des „Bündnisses Pro Ethik“ beim Berliner Volksentscheid von Pro Reli im April 2009 hat Herr Momper, der Schirmherr des Bündnisses, auf den Punkt gebracht, als er ihm sagte: „Ohne sie, Herr Eggers, hätten wir es nicht geschafft.“
Mit Genugtuung konnte er den klaren Sieg des breiten „Bündnisses Pro Ethik“ gegen die ökonomische und personelle Überlegenheit der Gegner im April 2009 feiern und fast zwei Jahre überleben.
Sein Engagement für die Gleichberechtigung aller Bürger unabhängig von Religion oder Weltanschauung und gegen Intoleranz führte ihn in die Humanistische Union und in den Humanistischen Verband Berlin, für den er auch bundesweit tätig wurde.
Wir danken Gerd für seinen kompetenten, beharrlichen und aufopferungsvollen Einsatz für das Fach LER in Brandenburg, das Pflichtfach Ethik in Berlin und nicht zuletzt für seine wirkungsvollen Diskussionsanstöße in ganz Deutschland.
Der Vorstand des Fachverband Ethik - Bundesverband e. V.
Peter Kriesel Werner Fuß Stefanie Wölk
(Brandenburg) (München) (Essen)
Abschied von Gerd Eggers
Gerd Eggers früher Tod ist ein großer Verlust für den Ethikfachverband Berlin.
Er hat uns LehrerInnen nicht nur bei der Gründung unterstützt und beraten, sondern war uns auch danach stets ein zuverlässiger und hilfreicher Partner. Mit großem Engagement hat er sich für die Verbesserung des Ethikunterrichts und der Situation der Ethiklehrer eingesetzt.
Er hat die inhaltliche Diskussion vorangetrieben und uns Kontakte zu zahlreichen Organisationen und zur Presse vermittelt.
Ein besonderes Merkmal seiner Persönlichkeit war seine große Bescheidenheit. Nie hat er sich in den Vordergrund gedrängt, obwohl er oft die größte Last der Arbeit getragen hat. Sein Ziel war eine Gesellschaft, in der über alle ideologischen Grenzen hinweg ein Konsens besteht über die Werte, nach denen alle leben wollen.
Wir werden ihn vermissen.
Für den Fachverband Ethik Berlin
Margret Iversen Christiane Wiemann
Margret Iversen und Christiane Wiemann
Liebe Unterstützer von Christen pro Ethik aus den Jahren 2008-2009,
einige von Ihnen werden sich erinnern an einen Menschen, welcher bei
unseren Versammlungen im Frühjahr 2009 immer sehr am Rande - aber doch
mit ganzem Herzen und voller Aufmerksamkeit - dabei war:
Gerd Eggers, der Koordinator des Bündnisses pro Ethik in Berlin und auch
schon zuvor ganz wichtige Persönlichkeit bei der Durchsetzung von LER im
Land Brandenburg,
ist am 12.3.2011 nach langer schwerer Krankheit 62-jährig gestorben.
Wir möchten denjenigen, die sich an ihn erinnern, dies auf diesem Weg
gern mitteilen.
Ich lernte Gerd im November 1989 nach einer der ersten grossen offenen
Aussprachen über das Bildungssystem in der DDR im damaligen Haus des
Lehrers als schon damals äusserst engagierten Menschen kennen, der in
dieser Umbruchsituation unbedingt ein Schulfach "Lebensgestaltung" auf
den Weg bringen wollte. …
Dieses sein Anliegen hat er dann auch im Land Brandenburg im Einsatz für
das Fach "Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde" und in Berlin in seinem
Einsatz für das Fach Ethik verwirklichen können - immer in
Zusammenarbeit mit vielen anderen Menschen. Ich meine, dass alle
Beteiligten, beides ohne ihn nicht zuwege gebracht hätten.
Aber er wollte niemals irgendeine öffentliche Anerkennung. Er trat
stets hinter Vorsitzenden, Sprechern und PolitikerInnen in den
Hintergrund, obwohl er diesen zuverlässigst zuarbeitete und ihnen die
Strategien, Pläne und Texte entwarf.
Dass seine Kinder- und seine Herkunftsfamilie dabei vermutlich vieles
entbehrt haben, kann vielleicht jetzt erst als ihr unfreiwilliger
Beitrag zu diesem großen Lebenswerk gewürdigt werden - .
Gerd verstand sich selbst als überzeugter Agnostiker. Dennoch empfanden
wir seine Art zu arbeiten, zu kommunizieren und die eigene Person
zurückzunehmen immer auch als eine Art von Bezogenheit auf Kräfte, die
weit über unser menschliches Bemühen, Planen und Machen hinausgehen. (In
diesem Sinne sprechen wir in Erinnerung an Gerd manchmal auch von seiner
Weise, eine verborgene und ihm selbst nicht bewusste "Religiosität"
gelebt zu haben. Im biblischen Matthäusbuch 18, 19 steht entsprechend z.
B.: "wo zwei von euch ------------ ")
So empfinden wir, dass wir mit diesem viel zu früh von uns gegangenen
Menschen verbunden waren in diesem Anliegen, für alle Kinder und
Jugendlichen im Land Brandenburg und in Berlin einen Unterricht
einzuführen, in dem jeder junge Mensch die Möglichkeit bekommt, über
seine ureigensten Lebensfragen zu sprechen und - auch - Rat und Hilfe zu
bekommen, wenn er und sie solche nötig hat.
Wir sind dankbar, ihm begegnet zu sein.
Ruth Priese, Christen pro Ethik
"Ich habe Herrn Eggers geschätzt und wünsche sehr, dass Menschen in ihrem
Gedenken immer wieder Menschlichkeit an ihn herantragen"
Dr. Karl Martin, Christen pro Ethik
"Was für eine traurige Nachricht.
Auch ich begegnete Gerd Eggers das erste Mal nach der Wende im Haus des Lehrers. Wie er war ich ohne Zweifel in Bezug auf einen notwendigen Umbruch im Bildungswesen der DDR und hatte den Kopf
voller neuer Ideen für das Fach Geschichte oder/und eben ein neues Schulfach, in dem die Religionen und ihre Geschichte eine große Rolle spielen sollten.
Unsere Begegnung war nur kurz, wir waren alle im wahrsten Sinne des Wortes im Aufbruch. Dann traf ich ihn 2009 wieder, als sich Berliner Christen zusammen fanden, die sich für das neue Fach Ethik
stark machten. Er war noch immer der Gleiche: Engagiert, streitbar und dabei offen für weiterführende Gedanken. Eine wieder kurze, jedoch intensive Begegnung!
Ich spüre es täglich in der Schule: Jede seiner Anstrengungen um Ethik hat sich gelohnt. Was für ein gutes, wichtiges und in meinen Augen inzwischen nicht mehr wegzudenkendes Fach, allen
Zweiflern zum Trotz.
Möge Gerd Eggers vielen von uns lange in Erinnerung bleiben und möge er nach der schweren Erkrankung seinen Frieden gefunden haben.
In Gedanken lege ich ihm am 7. April eine Rose aufs Grab
Elke Kaminsky, Ethiklehrerin in Berlin-Pankow"
Ihr Lieben,
gestern erst erreichte mich eine Weiterleitung der DBU zu Gerds Tod, die
von Peter stammt. Es hat mich sehr erschüttert, speziell weil ich früher
viel Kontakt zu ihm hatte, der bis zu privaten Besuchen ging, und
zufällig (?) jetzt gerade für einige Zeit nicht mit ihm in Kommunikation
war.
Ich hätte mir sehr gewünscht, früher davon erfahren zu haben und ihn
vielleicht auch noch mal zu sehen, aber das ist nun ja vorbei...
Seid ihr sicher, dass all seine Kontakte von seinem Tod erfahren haben?
Vielleicht könnte man all seine e-mail-Kontakte mal informieren?
Dennoch habe ich heute - auch wenn es etwas spät ist - veranlasst, dass
in einem bhutanesischen Kloster unter Anleitung eines 90jährigen
Dzogchen-Meisters ein spezieller längerer Text (aus dem Zyklus der
Prajnaparamita, Thema Leerheit, den man für Verstorbene liest) für ihn
21x gelesen wird und in einen anderen tibetischen Kloster in Brasilien
Phowa-Praxis für ihn gemacht wird (die den Weg "ins Licht" erleichert,
falls es noch Probleme gäbe, wovon man bei seinem Lebenswandel sicher
nicht ausgehen kann...).
Es wird ihn als offenen Humanisten sicher nicht irritieren und ist eine
kleine spirituelle Wertschätzung für all das, was er auch dem Buddhismus
als einer der Weltreligionen Gutes getan hat.
Wir sehen uns sicher bei der Beisetzung!
Mit liebem Gruß
Doris Wolter, Rätin in der Buddhistischen Union Deutschlands, BBU
Lieber Gerhard,
….
Natürlich bin ich Gerd unendlich dankbar für seine großzügige und unermüdliche Unterstützung und Beratung, was die damalige Einführung des buddhistischen Religionsunterrichts anbelangt. Ohne ihn
wäre das Ganze bestimmt nicht in Gang gekommen. …
Im Ethik-Unterricht kommt man kaum dazu, die Religionen wirklich genau durchzunehmen. Ich bin in einer Kooperation mit einem christlichen Pfarrer (anfangs war ich noch positiv gestimmt, aber im
Laufe des Jahres merke ich doch, dass dies problematisch ist und natürlich einen Luxus darstellt). Mir ist nicht bekannt, dass es noch andere Kooperationen mit anderen Religionen gibt. Eigentlich
entspricht dies ja nicht dem Entscheid für das Fach Ethik. Leider kann Gerd nun nichts mehr dazu sagen. Alles ist im Fluss und auch er wird eine neue Form finden, sich zu engagieren. In seiner
selbstlosen Art erinnerte er mich immer an einen Bodhisattva, der sich um das Wohl aller Wesen kümmert. Ich kann nur wünschen, dass es ihm gut geht, in welcher Welt auch immer.
Viele Grüße auch von
Rainer Renate Noack, Buddhistische Gesellschaft Berlin
Lieber Herr Kriesel,
….
Gerd Eggers hat mich sehr beeindruckt. Wir sind uns nicht allzu häufig
begegnet, aber jedes Mal war es eine Freude. Er war ein außerordentlich
kluger und freundlicher Mann, ungewöhnlich bescheiden und dennoch mit klarem
Willen. Er hat stets aufrechten Gang bewiesen - auch da, wo andere längst
buckelten. Ich wünschte, ich wäre ihm öfter begegnet. Er war ein wirkliches
Vorbild innerhalb der säkularen Szene.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Michael Schmidt-Salomon
Giordano Bruno Stiftung
www.giordano-bruno-stiftung.de/
Gerd Eggers
Im März erreichte uns die traurige Nachricht, dass Gerd Eggers, der Koordinator von „Pro Ethik“, gestorben ist. Mit Gerd Eggers verliert auch die Humanistische Union (HU) einen engagierten Mitstreiter, Aktivisten, Experten und Netzwerker, der sich insbesondere um die Religionsfreiheit in der Schule in unschätzbarer Weise verdient gemacht hat.
Zum Berliner Landesverband der Humanistischen Union fand Gerd Eggers 1995, im Zusammenhang mit damaligen Versuchen der Kirchen und des Bildungssenators, das vergleichsweise fortschrittliche „Berliner Modell“ abzuschaffen. Nach diesem Modell war (und ist) der Religionsunterricht an den staatlichen Schulen Berlins ein vollständig freiwilliges Angebot in Trägerschaft der Religions- und Weltanschauungsgemeinschafen. Für Gerd Eggers war es ein zentrales bürgerrechtliches Anliegen, sich für den Erhalt dieser – im Vergleich zu anderen Bundesländern – stärkeren Trennung von Staat und Kirche unter der „Bremer Klausel“ des Grundgesetzes einzusetzen. Gleichzeitig engagierte er sich mit der Humanistischen Union dafür, dass Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften jenseits der etablierten Kirchen nicht benachteiligt werden, ob Aleviten und Buddhisten[1] in Berlin oder der Humanistische Verband in Brandenburg.
Schon vor seiner HU-Zeit hatte Gerd Eggers an der Entwicklung des Faches „Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde“ (LER) in Brandenburg mitgewirkt. LER als bekenntnisneutrales Fach für alle Schülerinnen und Schüler zu verteidigen und ein ähnliches Fach für Berlin ins Gespräch zu bringen, gab unserer Arbeit neue Impulse. Geduldig erläuterte er immer wieder den Unterschied zwischen bekenntnisgebundenem Religionsunterricht und bekenntnisneutraler Religionskunde, schrieb Positionspapiere, stellte sie zur Diskussion, überarbeitete sie. Schließlich überzeugte er uns, dass ein religionskundliches Fach auch und gerade in einer religiös, weltanschaulich und kulturell so vielfältigen Stadt wie Berlin große Chancen für Verständigung und Integration bietet und gleichzeitig der staatlichen Neutralität in Glaubensdingen sowie der Gleichberechtigung der Religionen und Weltanschauungen Rechnung trägt.
Nicht nur die Humanistische Union überzeugte Gerd Eggers, sondern auch zahlreiche andere Menschen, Vereinigungen, Parteien, Regierungsmitglieder. Wie kein anderer hat er es verstanden, breite Bündnisse zu schmieden und zu koordinieren, deren zentrale Figur er war und in denen die Humanistische Union als bürgerrechtliche Facette beteiligt war. Gerd Eggers hatte maßgeblichen Anteil daran, dass in Berlin das bekenntnisfreie Pflichtfach „Ethik“ eingeführt wurde. Der Gestaltung und dem Erhalt dieses Faches galt in den letzten Jahren seine ganze Energie.
Gerd Eggers war ein Experte, dessen fachliches Wissen, Akribie und Fleiß es ihm ermöglichte, es mit Politikern, Kirchenfunktionären und Regierungsbeamten aufzunehmen. Dabei ging es ihm überhaupt nicht darum, in der Auseinandersetzung in erster Reihe zu stehen. Ganz im Gegenteil. Ihm ging es nie um Rampenlicht, Titel oder Posten. Ihm ging es um die Sache. Und diese Sache verfolgte er persönlich, bescheiden, beharrlich, wenn nötig energisch.
Sein vielleicht wichtigster Kampf war die Abwehr des Versuchs von Kirchen und CDU, das gemeinsame Fach Ethik zu einem Wahlpflichtfach herabzustufen und damit de facto zu einem Ersatzfach für religionfreie Schüler und Kinder nichtchristlicher Religionen zu machen. Die Initiative „Pro Reli“ konterte er mit dem Bündnis „Pro Ethik“, das dafür warb, beim Berliner Volksentscheid gegen die Abschaffung von Ethik als gemeinsames Fach für alle Schülerinnen und Schüler zu stimmen. Als scheinbar unermüdlicher Koordinator dieses Bündnisses war er die maßgebliche Kraft, die schließlich zum Erfolg führte: Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen sprach sich für den Erhalt des Ethikunterrichts aus. Als das Ergebnis am Abend der Volksabstimmung eintraf, reagierte Gerd Eggers typischerweise nicht mit Triumph, aber mit sichtbarer Genugtuung. Allen Bündnismitgliedern war klar: Dies ist sein Lebenswerk.
Einen anderen großen persönlichen Kampf, den gegen Krebs, hat Gerd Eggers über Jahre geführt. Das war uns bekannt, aber er sprach wenig darüber. Dass es am Schluss so schnell zu Ende ging, traf viele von uns unvorbereitet. Am 12. März verstarb Gerd Eggers in Bad Saarow. Am 7. April wurde er im Waldfriedhof Berlin-Zehlendorf beigesetzt. Zahlreiche Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus den unterschiedlichen Zusammenhängen, in denen Gerd sich bewegte und die er gut zusammenzuführen wusste, würdigten sein Wirken und werden ihn in Erinnerung behalten.
Gerd Eggers
geboren 21.12.1948 in Oldenburg
gestorben 12.3. 2011 in Bad Saarow
Wir trauern um den Koordinator des Bündnisses „Pro Ethik“, unser ehemaliges Mitglied des Bundesvorstandes und des Landesvorstandes Berlin-Brandenburg.
Sein Engagement für die uneingeschränkte Freiwilligkeit des Religionsunterrichts, für die Gleichstellung der unterschiedlichen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und für das bekenntnisneutrale Fach Ethik an Berliner Schulen bleibt uns Verpflichtung.
Humanistische Union e.V.
[1] Anmerkung: Er hat, wie ich weiß, die Erarbeitung des Rahmenlehrplans für buddhistischen Religionsunterricht (in Berlin) aktiv unterstützt.
Wir gedenken – Nachruf auf Gerd Eggers
Der Koordinator des Bündnisses Pro Ethik und langjähriges Vorstandsmitglied im LAMA der GEW Berlin, Gerd Eggers, ist
am Sonnabend, dem 12. März 2011 nach mehrjähriger Krebserkrankung im Alter von 62 Jahren gestorben.
Gerd trat 1994 der GEW bei und engagierte sich zunächst für die Einführung des Faches LER im Land Brandenburg.
Zusammen mit der damaligen stellvertretenden GEW-Vorsitzenden Sanem Kleff gründete und leitete er im Jahre 2000 das „Aktionsbündnis gegen ein Wahlpflichtfach Religion und war
im Jahre 2005 an der Gründung des "Forum gemeinsames Wertefach für Berlin" beteiligt. Es gelang dem Forum, die Einführung des
Faches Ethik durch Mehrheitsbeschluss des Abgeordnetenhauses zu unterstützen und die bildungspolitischen Sprecher von SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen sowie weitere Gruppen und Verbände
in den Dialog um die Verbesserung des Ethikfaches und die Fort- und Weiterbildung einzubeziehen.
Aus dem Forum wurde später das "Bündnis Pro Ethik" hervor. Trotz der materiellen
Überlegenheit der von den Amtskirchen, den Konservativen und ihrer Presse unterstützten Volksentscheidbefürworter gelang es dem breiten Bündnis Pro Ethik mit der überzeugenden Ablehnung des
Entscheids durch die Berliner, das verbindliche Ethikpflichtfach in den Klassen 7 bis 10 beizubehalten. Die Berliner Regelung für den freiwilligen Religionsunterricht blieb wie bisher
bestehen.
Als Sprecher des Bündnisses habe ich jahrelang sehr eng und freundschaftlich mit Gerd zusammenarbeiten dürfen und war von seiner Teamfähigkeit, seiner persönlichen Bescheidenheit, seiner auch im
Kleinen zutiefst demokratischen und humanistischen Gesinnung beeindruckt. Selten habe ich einen Menschen erleben dürfen, der seinen persönlichen Kampf gegen eine tödliche Krankheit so konsequent
und mit großer Hartnäckigkeit der Vision für einen den Menschenrechten verpflichteten gemeinsamen Werteunterricht unterordnete.
Wir würdigen Gerd Eggers jahrelanges unermüdliches Engagement für den LER-Unterricht im Land Brandenburg und den verbindlichen
Ethik-Unterricht im Land Berlin. Er hat immer gegen politisch oder religiös geprägte Intoleranz, gegen Fanatismus und für einen praxistauglichen Humanismus gekämpft!
Gerhard Weil für den Koordinierungskreis des Bündnisses Pro Ethik
blz Mai 2011der GEW Berlin
Danksagung
Es ist schwer, einen geliebten Menschen zu verlieren.
Es ist wohltuend, so viel Anteilnahme zu finden.
Wir haben dankbar durch Briefe und Blumen erfahren,
wie viele Menschen unseren Gerd geschätzt haben.
Im Namen aller Angehörigen
Maria Stolley, geb. Eggers
Pressemitteilung der Senatsbildungsverwaltung
Redaktion: Beate Stoffers
Thema: Bildung 8. Dezember 2010
Interesse am Religions- und Weltanschauungsunterricht wächst
Keine Verdrängung durch das Fach Ethik
Die Teilnahme am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts in den öffentlichen und privaten allgemein bildenden Schulen ist im Verlauf der vergangenen 10 Jahren von 40,8 % auf 51,4 % der Gesamtschülerzahl gestiegen. Dies ist das Ergebnis einer entsprechenden Statistik, die die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung erstellt hat.
Im laufenden Schuljahr nehmen insgesamt 164.569 Schüler am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht an den allgemein bildenden Schulen teil. Der größte Anteil entfällt mit 80.393 Teilnehmern (25,1 %) auf den evangelischen Religionsunterricht, gefolgt von 49.813 Teilnehmern (15,6 %) am humanistischen Lebenskundeunterricht und 25.021 Teilnehmern (7,8 %) am katholischen Religionsunterricht.
Während die Teilnahmequote in der Grundschule bei 75,6 % beträgt, liegt diese in der Sekundarstufe I noch bei 26,7 % und in der Sekundarstufe II bei 13,5 %. Im letzten Schuljahr vor Einführung des Pflichtfaches Ethik (2005/06) nahmen 25,9 % der Schüler in der Sekundarstufe I am Religions- und Lebenskundeunterricht sowie 3,6 % am Schulversuch Ethik/Philosophie teil.
„Die befürchtete Verdrängung des freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts durch das Pflichtfach Ethik hat es nicht gegeben. Im Gegenteil: Auch die weiterführenden Schulen können eine Steigerung der Teilnehmerquoten an dem freiwilligen und zusätzlichen Unterrichtsangebot verzeichnen“, so Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner.
Die stärkste Beteiligung am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts gibt es mit 62,0 % im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, während sie im Bezirk Marzahn-Hellersdorf lediglich 31,8 % beträgt.
Im Vergleich zum vorhergehenden Schuljahr ist die Teilnahmequote nahezu unverändert geblieben. Beim humanistischen Lebenskundeunterricht gab es mit 0,3 Prozentpunkten den größten Zuwachs, während sie beim evangelischen Religionsunterricht um 0,4 Prozentpunkte sank.
Am 2. Juli 2010 fand eine öffentliche Veranstaltung in der "Werkstatt der Kulturen" in der Neuköllner Wissmannstr. zum Thema "Vielfalt und Gemeinsamkeit: Religionen, Weltanschauungen und Kulturen in Berlin" statt.
Nachstehend das Grußwort unseres Schirmherrn, Herrn Walter Momper,MdA und der Staatssekretärin der Bildungsverwaltung, Frau Claudia Zinke, sowie der Beitrag des Sprechers unseres Bündnisses, Dr. Gerhard Weil, der Sprecherin des Fachverbandes Ethik Berlin, Frau Christiane Wiemann, sowie der Vorsitzenden dieses Fachverbandes, Frau Margret Iversen, als download:
Parlamentspräsident Walter Momper
Grußwort Momper Ethikunterricht.pdf
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Staatssekretärin Claudia Zinke
Claudia Zinke am 2.7.2010.pdf
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Bündnissprecher Dr. Gerhard Weil
Dialogforum Ethik Vielfalt Vortrag Weil.
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Christiane Wiemann, Sprecherin des Fachverbandes Ethik Berlin
Beitrag C. Wiemann für Fachverband am 2.
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Margret Iversen, Vorsitzende des Fachverbandes Ethik Berlin
"Wissen, Hoffen, Glauben - Erfahrungen aus dem Ethikunterricht mit dem Themenfeld 6"
Vortrag M. Iversen am 2.7.2010.pdf
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Bündnis Pro Ethik