Start

Aktuelles

Freiwilliger Religions- und
Weltanschauungsunterricht an Berliner
Schulen im Schuljahr 2014/15
Pressemitteilung  der Senatsbildungsverwaltung vom 03.12.2014
Im laufenden Schuljahr nehmen insgesamt 169.847 Schülerinnen und Schüler am
freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht an den allgemein bildenden Schulen teil. Der
größte Anteil entfällt mit 78.771 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (23,9% der Gesamtschülerzahl) auf
den evangelischen Religionsunterricht, gefolgt von 56.380 (17,1%) am humanistischen
Lebenskundeunterricht und 24.176 (7,3%) am katholischen Religionsunterricht.
Während die Teilnahmequote in der Primarstufe 75,8% beträgt, liegt diese in der
Sekundarstufe I noch bei 26,7% und in der Sekundarstufe II bei 12,7%. Die stärkste Beteiligung gibt es
mit 60,6% im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, während sie in Marzahn-Hellersdorf lediglich 28,8%
beträgt.
An den privaten Schulen beteiligen sich 71,3% der Schülerinnen und Schüler am
Religions- und Weltanschauungsunterricht, an den öffentlichen Schulen sind es 49,2%.
Im Vergleich zum vorhergehenden Schuljahr ist zwar die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
absolut um 1.207 gestiegen, jedoch ist die Teilnahmequote aufgrund der höheren Gesamtschülerzahl
geringfügig um 0,6 Prozentpunkte gesunken. Beim humanistischen Lebenskundeunterricht gab es mit
einem Plus von 821 den größten Zuwachs, beim islamischen Religionsunterricht dagegen mit einem
Minus von 362 den größten Rückgang. Beim evangelischen, katholischen, alevitischen, jüdischen,
buddhistischen sowie dem Religionsunterricht der Christengemeinschaft blieben die Teilnehmerzahlen
nahezu konstant. Beim sonstigen Religions- und und Weltanschauungsunterricht gab es einen Zuwachs von 715 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Pressesprecherin für Bildung, Beate
Stoffers
Tel.: (030) 90227 – 5843

 

 

 

 

PRESSEMITTEILUNG

vom 11. Oktober 2011

 

 

 

 

 

 

Ergebnis des Volksentscheids darf nicht umgekehrt werden

 

Auf Befremden ist die Forderung des Vorsitzenden der Initiative Pro Reli, Christoph Lehmann, gestoßen, bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU „eine einvernehmliche Lösung zum Religionsunterricht“ zu finden. Lehmann sprach vom richtigen Zeitpunkt, „um in dieser Frage einen breiten gesellschaftlichen Konsens zu finden.“

Dazu erklärte der Sprecher des Bündnis Pro Ethik, Gerhard Weil:
„Wir vertrauen unseren Bündnismitgliedern, den Berliner Sozialdemokraten und ihrer Fraktion, sich weiterhin für den verbindlichen Ethikunterricht und die seit Jahrzehnten bewährte und gerichtsfeste Berliner Regelung des Religionsunterrichtes als freiwilliges Wahlangebot einzusetzen. In den Wahlprogrammen beider Parteien steht kein Wort zum Ethikunterricht. Jetzt quasi durch die Hintertür die schallende Niederlage beim von Pro Reli veranlassten Volksentscheid in einen Sieg umzumünzen, lässt an Lehmanns Demokratieverständnis zweifeln, das sich vielleicht dem der römisch-katholischen Amtskirche nähert.
Unser breites Bündnis wird mit Argusaugen die Koalitionsverhandlungen und die folgende Praxis der Bildungsverwaltung verfolgen.“

Der Fachverband Ethik, Landesverband Berlin, hat übrigens den bislang im Abgeordnetenhaus vertretenden Parteien vor den Wahlen Wahlprüfsteine zum Ethikunterricht zugeschickt. Die Fragen und Antworten sind auf der Homepage des Bündnis unter http://www.proethik.info/start/aktuelles/ zu finden.

 

Für Nachfragen: Dr. Gerhard Weil, 030 7452922 gerhard.drweil@arcor.de

 

 

Christen pro Ethik

 

www. Christen-pro-Ethik.de   c/o Ruth Priese (ruthpriese@gmx.de) Hämmerlingstr. 95, 12555 Berlin   Tel. 030-6574230                                                                                                                    

Presseerklärung 2. November 2011

 

 

Ethikunterricht weiter gemeinsam

statt getrennt in Berlin

 

In den gegenwärtigen Verhandlungen zur großen Koalition zwischen SPD und CDU in Berlin sollen Vertreter der CDU die Einführung eines Wahlpflichtbereichs zwischen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen und dem Fach Ethik verlangt haben

Zu dieser neuerlichen Forderung, nachdem zwei Klagen gegen den gemeinsamen Ethikunterricht vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert sind und nach der Niederlage von Kirchen und CDU mit der gleichen Forderung 2009 im Volksentscheid, erklärte der Vorsitzende des Fachverbands Ethik e.V. (Bundesverband) Peter Kriesel:

 

„Das Berliner integrative Modell des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler ist das angemessene Modell für das multikulturelle und weltoffene Berlin, in dem 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.

 

Der Verweis der Vertreter von Pro Reli auf das „Brandenburger Modell“, bei dem sich Schüler von Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) zum Religionsunterricht abmelden können, ist für Berlin keine Option:

  1. Dies wäre ein Einstieg in das verdeckte Wahlpflichtmodell der Kirchen, das in Brandenburg unter einem Kirchenjuristen als Ministerpräsident durchgesetzt und einem Pfarrer als Bildungsminister im Schulgesetz verankert wurde.
  2. In Brandenburg leben nur 5% Bürger mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu Berlin, wo 25% der Einwohner und 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.

In diesem Kontext leistet der gemeinsame Ethikunterricht für alle Schüler einen zentralen Beitrag zur Integration und Wertorientierung an Grundgesetz und Menschenrechten in Berlin. Eine Trennung der Schüler für katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht, Lebenskunde und Ethik in Fragen der Wertorientierung würde den integrativen Charakter des Faches Ethik zerstören.

 

Deshalb fordert der Bundesverband der Ethiklehrer den Erhalt des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler in Berlin.“

 

 

Wir schließen uns dieser Forderung auch aus Sorge um das Erscheinungsbild der Kirche in der Stadt an. Soll denn weiterhin der Eindruck bestehen bleiben, dass wir als Christen ein Problem mit der Demokratie haben und ein so klares und öffentliches Votum der Berliner Bevölkerung so schnell wieder in Frage stellen?

Bei einiger Geduld mit den Einführungsschwierigkeiten des immer noch neuen Pflichtfaches Ethik für alle - wird es sich erweisen, dass es auch der Hinführung der Jugendlichen in eine religiöse oder weltanschauliche Lebenswelt gut tut, wenn der Religions- und Weltanschauungsunterricht ein Wahlfach ist und bleibt.

   

 

 
Nr. 39 / 2011 GEW Berlin | Mittwoch, 2. November 2011
Koalitionsverhandlungen: Ethik - ein gemeinsames Fach für alle

Die GEW BERLIN fordert die Beibehaltung des Pflichtfaches „Ethik“ in der Berliner Schule. Für die Entwicklung von gegenseitigem Verstehen, Akzeptanz und Respekt bie­tet dieser gemeinsame Unterricht dem „Miteinander sprechen lernen“ den notwendigen Rahmen. Eine Trennung der SchülerInnen nach Glaubensrichtungen und Weltanschau­ungen widerspricht dem Anliegen, in einer multikulturellen Gesellschaft Verständnis für unterschiedliche Lebensweisen zu entwickeln und damit das friedliche Miteinander zu fördern. Das Fach Ethik verbindet und öffnet den Blick für andere Perspektiven, Kultu­ren und Religionen.

Sigrid Baumgardt, Vorsitzende der GEW BERLIN: "Ein Bildungsziel der Berliner Schule muss im Einwanderungsland Deutschland sein, sich auf der Grundlage von Wissen und Erfahrungen und nicht von Vorurteilen miteinander auseinander setzen zu lernen. Dafür muss Schule die Basis schaffen und das Fach Ethik öffnet hier den Blick für die Gemeinsamkeiten aber auch für die Unterschiede. Darüber zeigt es, dass es verschiedene Möglichkeiten in der Anschauung und in der Lö­sung verschiedener Lebensfragen gibt. Das hilft den Schülerinnen auch für ihr weiteres Leben.“

Presseerklärung des Bundesfachverbandes Ethik

 

27.10. 2011

 

Ethikunterricht weiter gemeinsam statt getrennt in Berlin

 

In den gegenwärtigen Verhandlungen zur großen Koalition zwischen SPD und CDU in Berlin hat die CDU die Einführung eines Wahlpflichtbereichs zwischen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen und dem Fach Ethik verlangt.

Zu dieser neuerlichen Forderung, nachdem zwei Klagen gegen den gemeinsamen Ethikunterricht vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert sind und nach der Niederlage von Kirchen und CDU mit der gleichen Forderung 2009 im Volksentscheid,  erklärt der Vorsitzende des Fachverbands Ethik e.V. Peter Kriesel:

 

„Das Berliner integrative Modell des gemeinsamen Ethikunterrichts für alle Schüler ist das angemessene Modell für das multikulturelle und weltoffene Berlin, in dem 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.

 

Der Verweis der Vertreter von Pro Reli auf das „Brandenburger Modell“, bei dem sich Schüler von Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) zum Religionsunterricht abmelden können, ist für Berlin keine Option:

  1. Dies wäre ein Einstieg in das verdeckte Wahlpflichtmodell der Kirchen, das in Brandenburg unter einem Kirchenjuristen als Ministerpräsident durchgesetzt und einem Pfarrer als Bildungsminister im Schulgesetz verankert wurde.
  2. In Brandenburg leben nur 5% Bürger mit Migrationshintergrund im Gegensatz zu Berlin, wo 25% der Einwohner und 42% der Schüler einen Migrationshintergrund haben.

In diesem Kontext leistet der gemeinsame Ethikunterricht für alle Schüler einen zentralen Beitrag zur Integration und Wertorientierung an Grundgesetz und Menschenrechten in Berlin. Eine Trennung der Schüler für katholischen, evangelischen und islamischen Religionsunterricht, Lebenskunde und Ethik in Fragen der Wertorientierung würde den integrativen Charakter des Faches Ethik zerstören.

 

Deshalb fordert der Bundesverband der Ethiklehrer den Erhalt des gemeinsamen  Ethikunterrichts für alle Schüler in Berlin.“

 

Für Nachfragen: Peter Kriesel, Tel. 01573/8813562 oder 030/99542085 – kriesel.ler@web.de 

Presseerklärung von Regina Kittler, MdA, Linksfraktion, zu Ethik und den Koaltionsverhandlungen
Nr013-ethik-01112011PE Linksfraktion.pdf
Adobe Acrobat Dokument 20.5 KB

Presseinformation des HVD Berlin vom 1.11.2011

 

An der Berliner Bevölkerung vorbeiregieren – so geht’s

Bildungsfragen stehen heute auf der Tagesordnung der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU in Berlin. Dabei sollte es auch um Bildung gehen und nicht um die Durchsetzung kirchlicher Interessen, fordert der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg. Grundlage dafür müssen die gesellschaftlichen Realitäten und Bedürfnisse sein.

 

(31/10/2011) Geht es nach der CDU, soll es künftig keinen gemeinsamen wertebildenden Unterricht mehr in Berlin geben. Statt einmal wöchentlich im Ethikunterricht gemeinsam über Werte und Normen in einer multikulturellen und pluralistischen Gesellschaft nachzudenken, will die Berliner CDU die Aufteilung der Schülerschaft in Ethikschüler und Religionsschüler durchsetzen. Das Vorhaben der Besserstellung des Religionsunterrichts, mit dem sie bereits 2009 im Volksbegehren Pro Reli scheiterte, soll nun durch die Hintertür verwirklicht werden – an der Berliner Bevölkerung vorbei. Das gesamte Vorhaben spricht dafür, dass die Berliner CDU wenig mit der Bevölkerung der Hauptstadt vertraut ist. Denn:

  1. Das Vorhaben, den Religionsunterricht mit dem Ethikunterricht gleichzustellen, scheiterte vor zwei Jahren in aller Deutlichkeit. Von den wahlberechtigten Berlinern wollte sich nicht einmal jeder Dritte an der Abstimmung überhaupt beteiligen. Für die von der CDU massiv unterstützten Anliegen der Initiatoren des Volksbegehrens stimmten sogar nur 14,1 % aller Wahlbeteiligten. Die CDU Berlin konnte also nicht einmal die eigene Klientel für den verpflichtenden Religionsunterricht an Berliner Schulen begeistern. Dementsprechend rührte sie das Thema im diesjährigen Wahlkampf auch nicht an, um nicht mögliche Wähler zu verschrecken. Das Thema Religionsunterricht nun am Verhandlungstisch aus der Schublade zu holen, ist ein politischer Affront gegenüber den eigenen Wählern und gegenüber dem eindeutigen Votum der Berliner Bevölkerung.
  2. Pro Reli-Initiator und CDU-Landesvorstand Christoph Lehmann schlug nun die Einführung des Brandenburger Modells vor, welches vorsieht, dass sich Schüler des Religionsunterrichts vom gemeinsamen LER-Unterricht (Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde) abmelden können. Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer, sagte, dass das Thema diskutiert werde. Offensichtlich ist, dass die CDU sich hier ideologiepolitisch treiben und die Berliner Realitäten außer Acht lässt. Von den Berliner Schülerinnen und Schülern haben mehr als zwei Fünftel einen Migrationshintergrund, ihre Werte und Normen haben also neben den deutschen auch noch andere gesellschaftlich-kulturelle Wurzeln. Für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben in Berlin ist es unerlässlich, dass ein gemeinsamer, nicht ideologisch gefärbter Werteunterricht stattfindet, wie ihn der Ethikunterricht bietet. Nur hier können die Berliner Schülerinnen und Schüler gemeinsam um die Art und Weise des Zusammenlebens in einer Gesellschaft ringen, die sie zu einem großen Teil selbst ausmachen. Daher braucht Berlin auch einen gemeinsamen Werteunterricht! Die Einführung des Brandenburger Modells – in Brandenburg besitzt weniger als 5 % der Schülerschaft einen Migrationshintergrund – würde den Berliner Realitäten überhaupt nicht gerecht.
  3. Aus dem Blick geraten in dieser Debatte auch die Schülerinnen und Schüler, die freiwillig an den unterschiedlichen Weltanschauungsfächern teilnehmen. Und dies sind nicht wenig, wie die Argumentation der CDU vermuten lassen könnte. Am evangelischen Religionsunterricht nehmen nach Auskunft der Evangelischen Kirche (EKBO) knapp über 80.000 Schülerinnen und Schüler teil. Nach Hochrechnungen des HVD Berlin-Brandenburg beträgt die Anzahl der Lebenskundeschüler/-innen in Berlin in diesem Jahr erstmals mehr als 50.000. Am katholischen Religionsunterricht nahmen im vergangenen Jahr etwas mehr als 25.000 Schüler teil. Es folgten mit weitem Abstand der islamische, der jüdische und sonstiger Religions- und Weltanschauungsunterricht. Wenn es nun darum gehen soll, den Religionsunterricht gegenüber anderen Weltanschauungsfächern besserzustellen, ist zu vermuten, dass die CDU angesichts dieser Zahlen nur den christlichen Religionsunterricht aufwerten will. Mit dieser Debatte wird den Schülerinnen und Schülern in Berlin vermittelt, es gebe einen höher- und minderwertigen Weltanschauungsunterricht. Dies ist mit Verlaub nicht der Fall. Der weltanschaulich geprägte Werteunterricht findet in Berlin als freiwilliges Unterrichtsfach für alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gleichberechtigt neben dem verpflichtenden Ethikunterricht statt – „und das ist auch gut so“, um Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zu zitieren. Die Besserstellung des christlichen Religionsunterrichtes zöge eine künstliche Trennlinie zwischen den Berliner Schülerinnen und Schülern, die einem toleranten und weltoffenen Berlin widersprechen würde.
  4. Das Vorgehen der Berliner CDU ist ein verfassungspolitischer Irrweg. Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften sind gem. Grundgesetz Art. 140 in Verbindung mit dem nach wie vor geltenden Art. 137, Abs. 7 der Weimarer Reichsverfassung gleichgestellt. Die Besserstellung des Religionsunterrichts etwa gegenüber dem Lebenskundeunterricht des Humanistischen Verbandes verstößt gegen diesen Verfassungsgrundsatz.

Will die CDU in der Hauptstadt eine Politik gestalten, die sich an den gesellschaftlichen Realitäten und Bedürfnissen der Berlinerinnen und Berliner orientiert, dann muss sie ihre ideologische Brille abnehmen. Die Berliner Bevölkerung lebt zum Großteil konfessionsfrei, ohne dabei die Bedürfnisse der Gläubigen zu beschneiden. Nun sollte die Partei nicht beginnen, die Grundlage für dieses friedliche und tolerante Miteinander zu zerstören, will sie nicht von Anfang an an den Berlinerinnen und Berlinern vorbeiregieren.

Und auch die SPD, die 2009 das Bündnis Pro Ethik unterstützt hatte, ist gut beraten, wenn sie auf das Drängen der CDU nicht eingeht und die bewährte Berliner Regelung unangetastet lässt. Denn einen Koalitionsvertrag, der zwar das gemeinsame Regieren erlaubt, aber an den Realitäten und Bedürfnissen der Stadt vorbeigeht, kann nun wirklich niemand gebrauchen.

PRESSEMITTEILUNG der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im  Abgeordnetenhaus - Berlin
NR. 373 Datum: 27. Oktober 2011
Ja zum Ethikunterricht, ja zum freiwilligen Religionsunterricht!

Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, sagt zur Absicht der CDU, das Berliner Modell des freiwilligen Religionsunterrichts abzuschaffen:
Nach dem Berliner Modell findet der Unterricht der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften für Schülerinnen und Schüler in Berlin freiwillig statt. Die Schülerinnen und Schüler können die Angebote der evangelischen und der katholischen Kirche, den jüdischen, islamischen und buddhistischen Religionsunterricht sowie den Lebenskundeunterricht des Humanistischen Verbands freiwillig in Anspruch nehmen. Daneben wurde 2006 der Ethikunterricht ab der siebten Klasse als verpflichtender Unterricht eingeführt. 2009 haben sich die Berlinerinnen und Berliner bei einem Volksentscheid mehrheitlich gegen die Abschaffung des Berliner Modells entschieden und ein Wahlpflichtfach Religion abgelehnt.
Anscheinend möchte die CDU dieses nun ändern und sich im Rahmen der Koalitionsgespräche mit der SPD für eine Aufweichung des Berliner Modells einsetzen. Sie will den Religionsunterricht auf die Stufe des Ethikunterrichts heben und somit ein Wahlpflichtfach Religion einführen, wonach sich die Schülerinnen und Schüler entweder für den Ethik- oder den Religionsunterricht entscheiden müssen. Damit will CDU die Berliner Errungenschaft des bewährten gemeinsamen wertebildenden Unterrichts abschaffen. Herr Wowereit und Berliner SPD sind gut beraten, sich den Versuchen der CDU zu widersetzen, das Ergebnis des Volksentscheids "Pro-Reli" in Frage zu stellen und ein Wahlpflichtfach Religion einzuführen.
Unsere Position ist klar: Ja zum gemeinsamen Ethikunterricht und ja zum freiwilligen Religionsunterricht. Die gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Vielfalt in unserer Stadt bietet Chancen und Konflikte. Wenn Integration gelingen soll, brauchen wir an der Schule Verständigung über gemeinsame Regeln und einen Raum für den Dialog. Ein Wahlpflichtbereich, der Schülerinnen und Schüler nach Bekenntnissen separiert, manifestiert die Andersartigkeit und ist desintegrativ!

Pressemitteilung des HVD zu Koaltionsforderungen der Berliner CDU vom Oktober 2011
PM HVD 10_2011.pdf
Adobe Acrobat Dokument 51.6 KB

Wahlprüfsteine zum Ethikunterricht

Der Fachverband Ethik, Landesverband Berlin, hat rechtzeitig vor der Abgeordnetenhauswahl Wahlprüfsteine zum Ethikunterricht an die fünf im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien verschickt und von vier Parteien Antworten erhalten.

Hier der Brief des Fachverbandes beispielhaft an die SPD-Zentrale mit den fünf Fragenkomplexen:

 

 

 

An den Landesverband

der SPD

Müllerstr.163

13353 Berlin

 

Liebe Mitglieder des Landesvorstandes,

 

der Fachverband Ethik in Berlin hat nach dem eindeutigen Votum der Wähler für einen Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler im Jahr 2009 und angesichts der teils unbefriedigenden Entwicklung des Faches in den Schulen im Hinblick auf die Berliner Landtagswahlen im Herbst 2011 einige wichtige Fragen, die wir Sie bitten, zu beantworten.

Es geht dabei um die Position ihrer Partei bezüglich der Konsolidierung des Faches Ethik und der Weiterentwicklung seiner Qualität in der nächsten Legislaturperiode.

 

Wir fragen: 
Sind Sie bereit, nach der Wahl darauf hinzuwirken, dass die Senatsverwaltung durch den tatsächlichen Einsatz der bereits für Ethik qualifizierten Lehrkräfte dafür sorgt, dass der Anteil des fachgerecht erteilten Ethikunterrichts an Berliner Schulen auf 75% erhöht wird?

Die Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf die Kleine Anfrage 16/15015 weist aus, dass von 1.649 Ethik unterrichtenden Lehrkräften nur 161 fachgerecht ausgebildet sind, obwohl nach Auskunft zur Kleinen Anfrage 16/14784 bereits 1.122 Lehrkräfte für den Ethikunterricht qualifiziert waren bzw. wurden.

Das Verhältnis der von ausgebildeten Ethiklehrkräften erteilten Unterrichtsstunden (1.306) zu denen von Fachfremden (6.331) erteilten Ethikstunden pro Woche bedeutet, dass derzeit nur 17,1% der Berliner Schüler von in Ethik ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden, obwohl bei Einsatz aller für Ethik ausgebildeten und fortgebildeten Lehrkräfte dies statistisch bis zu 85% möglich wäre.

  1. Sind Sie bereit,

sich dafür einzusetzen, dass die Senatsverwaltung für Bildung endlich einen besoldungsrechtlich relevanten universitären berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang für das Lehramt Ethik entsprechend dem einschlägigen Beschluss des Abgeordnetenhauses vom August 2006 einrichtet, um das Fach Ethik den anderen Fächern gleich zu stellen?

Dies ist notwendig, um die - auch nach positiver Beantwortung von Frage 1 - noch fehlenden Lehrkräfte für das Fach Ethik zu qualifizieren. Bei der Ermittlung des Bedarfs ist auch das Ausscheiden aus Altersgründen für Ethik qualifizierter Lehrkräfte zu berücksichtigen.

  1. Sind Sie bereit,

auf die Senatsverwaltung für Bildung dahingehend einzuwirken, dass alle Vorgaben des Schulgesetzes zum Ethikfach in einem überarbeiteten Rahmenlehrplan eingelöst werden?

In dem gegenwärtigen geltenden Rahmenlehrplan sind die Anteile sozialen und religionskundlichen Lernens (z.B. interkulturelle Kompetenz) gegenüber den Anteilen zur Entwicklung ethischer Urteilsbildung unterrepräsentiert.  

  1. Sind Sie bereit,

sich dafür einzusetzen, dass durch eine Ausführungsvorschrift die teilweise praktizierte ausschließliche Kooperation zwischen Ethiklehrkräften und Lehrkräften für evangelischen Bekenntnisunterricht schulgesetzkonform auf eine punktuelle Kooperation (maximal 6 Unterrichtstunden) eingeschränkt und Kooperationen mitVertreterInnen anderer Religions-und Weltanschauungsgemeinschaften gefördert werden?

Damit soll sowohl eine Doppelfinanzierung einer Ethikstunde eingespart als auch für Eltern und Schüler eine rechtlich klare Trennung zwischen bekenntnisorientiertem Religionsunterricht und religiös-weltanschaulich neutralem Ethikunterricht garantiert werden. 

  1. Sind Sie bereit,

sich dafür einzusetzen, dass die Senatsverwaltung für Bildung allen an einer Weiterbildung „Ethik“ interessierten Lehrkräften weiterhin wie bisher dafür drei Abminderungsstunden gewährt? 

Margret Iversen, 
Vorsitzende des Fachverbandes                                                                                     Christiane Wiemann
Stellvertretende Vorsitzende, 
Sprecherin des Fachverbandes

 

Die Antworten:

 

Die SPD verweist wie die Senatsbildungsverwaltung auf die Lehrbefähigung aller Berliner Lehrkräfte für Ethik und den Status Quo bei der Weiterbildung und dem Grundstudium. Sie befürwortet ein Weiterbildungsstudium und verweist allein auf die bislang ergebnislosen Gespräche Senat - Unis.
Bei der Einschätzung des Rahmenlehrplans berichtet die Regierungspartei wiederum über die Fortschreibungsaktivität der Senatsverwaltung.

Kooperationen liegen für die SPD allein in der Verantwortung der Schulen - weiterer Regelbedarf wird nicht gesehen. Allerdings will die Partei weiterhin drei Abminderungstunden für Lehrkräfte in der berufsbegleitenden Fortbildung gewähren.

 

Zusammen mit SPD und Bündnis 90/Die Grünen hat die Linke im Parlament die Einführung des Ethikunterrichts beschlossen. Auch setzte sie sich beim Volksentscheid von  "Pro Reli" für die Beibehaltung des verbindlichen Ethikunterrichtes ein. Im aktuellen Wahlprogramm der Linkspartei wird der Einsatz der Partei für den Ethikunterricht kurz erwähnt.
Die Linkspartei setzt sich für eine Verstärkung der Bemühungen um Fort- und Weiterbildung im Ethikunterricht ein, bezweifelt aber die vom Senat angegebenen geringen Prozentzahlen der Qualifizierten. Sie unterstützt die Weiterbildung für das Fach mit angemessenen Abminderungsstunden auf der Basis von Hochschulverträgen als Masterstudiengang und will für die Überarbeitung des Rahmenlehrplans die Praxiserfahrungen und die Kompetenz des Fachverbandes Ethik einbeziehen. Ausführungsvorschriften für die Kooperation mit Religions- und weltanschauungsgemeinschaften werden nicht für notwendig gehalten, wenn sich die Schulaufsicht um Bescherden kümmert und das 1+1+1-Modell unterbunden wird. Die bisherigen Abminderungsstunden für Fortbildung sollen nicht gekürzt werden.


 

Die CDU setzt sich für 100% Fachlehrkräfteeinsatz ein und kritisiert die Zustände dieses ideologisch begründetenFachs. Sie plädiert für das Wahlpflichtfach Religion und Ethik/Philosophie, das zudem sowohl in die Grundschule als auch in die Oberstufe gehöre. Der angebliche Sonderweg Berlins wird abgelehnt. Die CDU plädiert für eine fachbezogene Lehramtsausbildung und Weiterbildung an den Universitäten. Sie verweist auf den Rahmenplan für den Schulversuch EThik/Philosophie und hält dies für das bessere Modell,d as vom Senat aus ideologischen Gründenabgelehnt wurde.
Bei der Kooperation hält die Partei alle Einschränkungen für schädlich und verweist erneut auf ihr Alternativmodell.
Eine neue Fort- und Weiterbildungskonzeption und eine geignete Arbeitszeitorganisation wired für notwendig erachtet. Die fortdauernde Bevorzugung des Faches Ethik wird kritisch eingeschätzt.

Die FDP befürwortet eine Untersuchung der Gründe für die nicht ausreichende Qualifizierung der Ethiklehrkräfte und begrüßt die (angeblichen) Verhandlungen des Senats mit den Universitäten über einen weiterbildenden Studiengang. Sie findet die Schulgesetzvorgaben ausreichend im Rahmenlehrplan wiedergegeben und plädiert wie bei der Kooperationsfrage für Freiheiten an den Schulen statt für bevormundende Ausführungsvorschriften.

Fort- und Weiterbildung der Pädagogen soll in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden und dies in einem neuen Lehrerjahreszeitarbeitsmodell berücksichtigt werden.

 

Bündnis 90/Die Grünen betonen ihren Einsatz für den Ethikuntericht und wollen sich dafür einsetzen, den Anteil des fachgerecht erteilten Ethikunterrichts kontinuierlich zu steigern. Weitere Anstrengugen in der Weiterbildung werden erforderlich gehalten. Der FU-Studiengang und eine Koopperation mit LER in Brandenburg scheinen dafür am besten geeignet.
Die Intention des Schulgesetzes sollen bei der Überarbeitung des Rahmenlehrplans hinsichtlich der sozialen und religionskundlichen Kompetenz überprüft werden. Eine Kooperation mit allen Religionsgemeinschaften und Anreize dafür ohne Ausführungsvorschrift wird befürwortet. Lehrkräfte müssen für ihr intensives Weiterbildungsstudium hinreichendes Bedingungen vorfinden. Das Lehrerfort- und Weiterbildungskonzept wird als entwicklungsbedürftig angesehen und mit den Beteiligten müssen bessere Strukturen beraten werden. Dies gilt auch für an Ethik interessierte Lehrkräfte. 

SPD Wahlprüfsteine
Fachverband Ethik LV BerlinSPD Wahlprüfs
Adobe Acrobat Dokument 463.2 KB
Die Linke Wahlprüfsteine
_Antwort_Ethik_WahlprüfsteineLinke.pdf
Adobe Acrobat Dokument 196.1 KB
CDU Wahlprüfsteine
Fachverband EthikCDUWAhlprüfsteine.pdf
Adobe Acrobat Dokument 54.1 KB
FDP Wahlprüfsteine
Wahlprüfsteine Ethik FachverbandFDP.pdf
Adobe Acrobat Dokument 49.2 KB
Bündnis 90/Die Grünen Wahlprüfsteine
Antwort Wahlprüfsteine Grüne.pdf
Adobe Acrobat Dokument 2.9 MB

Pressemitteilung der Senatsbildungsverwaltung

Redaktion: Beate Stoffers                                                                                

Thema: Bildung                                    8. Dezember 2010

 

 

 

Interesse am Religions- und Weltanschauungsunterricht wächst

 

Keine Verdrängung durch das Fach Ethik

 

Die Teilnahme am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts in den öffentlichen und privaten allgemein bildenden Schulen ist im Verlauf der vergangenen 10 Jahren von 40,8 % auf 51,4 % der Gesamtschülerzahl gestiegen. Dies ist das Ergebnis einer entsprechenden Statistik, die die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung erstellt hat.

 

Im laufenden Schuljahr nehmen insgesamt 164.569 Schüler am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht an den allgemein bildenden Schulen teil. Der größte Anteil entfällt mit 80.393 Teilnehmern (25,1 %) auf den evangelischen Religionsunterricht, gefolgt von 49.813 Teilnehmern (15,6 %) am humanistischen Lebenskundeunterricht und 25.021 Teilnehmern (7,8 %) am katholischen Religions­unterricht.

 

Während die Teilnahmequote in der Grundschule bei 75,6 % beträgt, liegt diese in der Sekundarstufe I noch bei 26,7 % und in der Sekundarstufe II bei 13,5 %. Im letzten Schuljahr vor Einführung des Pflichtfaches Ethik (2005/06) nahmen 25,9 % der Schüler in der Sekundarstufe I am Religions- und Lebenskundeunterricht sowie 3,6 % am Schulversuch Ethik/Philosophie teil.

 

„Die befürchtete Verdrängung des freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts durch das Pflichtfach Ethik hat es nicht gegeben. Im Gegenteil: Auch die weiterführenden Schulen können eine Steigerung der Teilnehmerquoten an dem freiwilligen und zusätzlichen Unterrichtsangebot verzeichnen“, so Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner.

 

Die stärkste Beteiligung am freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterrichts gibt es mit 62,0 % im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, während sie im Bezirk Marzahn-Hellersdorf lediglich 31,8 % beträgt.

 

Im Vergleich zum vorhergehenden Schuljahr ist die Teilnahmequote nahezu unverändert geblieben. Beim humanistischen Lebenskundeunterricht gab es mit 0,3 Prozentpunkten den größten Zuwachs, während sie beim evangelischen Religionsunterricht um 0,4 Prozentpunkte sank.

 

Am 2. Juli 2010 fand eine öffentliche Veranstaltung in der "Werkstatt der Kulturen" in der Neuköllner Wissmannstr. zum Thema "Vielfalt und Gemeinsamkeit: Religionen, Weltanschauungen und Kulturen in Berlin" statt.

Nachstehend  das Grußwort unseres Schirmherrn, Herrn Walter Momper,MdA und der Staatssekretärin der Bildungsverwaltung, Frau Claudia Zinke, sowie der Beitrag des Sprechers unseres Bündnisses, Dr. Gerhard Weil, der Sprecherin des Fachverbandes Ethik Berlin, Frau Christiane Wiemann, sowie der Vorsitzenden dieses Fachverbandes, Frau Margret Iversen, als download:

Parlamentspräsident Walter Momper
Parlamentspräsident Walter Momper
Grußwort von Walter Momper
Grußwort Momper Ethikunterricht.pdf
Adobe Acrobat Dokument 21.4 KB
Staatssekretärin Claudia Zinke
Staatssekretärin Claudia Zinke
Grußwort von Staatssekretärin Claudia Zinke
Claudia Zinke am 2.7.2010.pdf
Adobe Acrobat Dokument 54.3 KB
Bündnissprecher Dr. Gerhard Weil
Bündnissprecher Dr. Gerhard Weil
Powerpointvortrag; Vielfalt als Herausforderung für den Ethikunterricht. Aufgaben der Konsolidierung und Weiterentwicklung
Dialogforum Ethik Vielfalt Vortrag Weil.
Adobe Acrobat Dokument 1.2 MB
Christiane Wiemann, Sprecherin des Fachverbandes Ethik Berlin
Christiane Wiemann, Sprecherin des Fachverbandes Ethik Berlin
Positionen des Fachverbandes Ethik Berlin
Beitrag C. Wiemann für Fachverband am 2.
Adobe Acrobat Dokument 12.1 KB
Margret Iversen, Vorsitzende des Fachverbandes Ethik Berlin
Margret Iversen, Vorsitzende des Fachverbandes Ethik Berlin
Powerpointvortrag von Margret Iversen
"Wissen, Hoffen, Glauben - Erfahrungen aus dem Ethikunterricht mit dem Themenfeld 6"
Vortrag M. Iversen am 2.7.2010.pdf
Adobe Acrobat Dokument 501.4 KB