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Debatte

Teilnehmer des Rundtischgesprächs und Schirmherr Walter Momper bei der Pressekonferenz
Teilnehmer des Rundtischgesprächs und Schirmherr Walter Momper bei der Pressekonferenz

 

 

DIALOGFORUM ETHIK

 

 

Konsenspapier als Ergebnis eines ersten Rundtischgesprächs

 

Am 26. Mai 2010 fand in der "Werkstatt der Kulturen" in Berlin-Neukölln erstmals ein Rundtischgespräch zum Thema "Religionen, Weltanschauungen und Kulturen im Berliner Ethikunterricht" statt. An dem Gespräch waren Vertreterinnen und Vertreter des Judentums, des Christentums, des Islams, des Buddhismus, des Hinduismus, des Humanismus, des interreligiösen und interkulturellen Dialogs, des Ethik-Fachverbandes, eines Schulbuchverlages, der Senatsbildungsverwaltung, der Lehrerausbildung und des Bündnisses Pro Ethik beteiligt.

  Lesen Sie bitte den gesamten Text in der nachstehenden pdf-Datei!

Das Konsenspapier
DIALOGFORUM ETHIK.pdf
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Zu einzelnen Debattenbeiträgen bitte nach unten scrollen:

Sechs Kritiken zu Ethikschulbüchern von Beate Turner, eingestellt am 10.2. 2011 und 13.3. 2011:

Turner: Kritik am Ethiklehrbuch: "Abenteuer Mensch sein", Klasse 9
Turner - Ethiklehrbuch - Abenteuer Mensc
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Turner: Kritik am Ethiklehrbuch: "Abenteuer Ethik 2", Klasse 9/10
Turner - Ethiklehrbuch -Abenteuer Ethik
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Turner: Kritik am Ethiklehrbuch: "Eine Welt für alle", Klasse 9/10
Turner - Ethiklehrbuch - Eine Welt � all
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Turner: Kritik am Ethiklehrbuch: Leben Leben
Turner - Ethiklehrbuch - Leben Leben - K
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Turner: Kritik an 1000 Fragen Schulmaterial
Turner - 1000Fragen Schulmaterial - Krit
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Turner: Kritik an den Infokarten Christentum des Materials "Judentum, Christentum, Islam"
Turner - LISUM Infokarte Christentum - K
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Textbeitrag von Frau Magda von Garrel, eingestellt am 21.6.2010


Zunächst einmal möchte ich mich zu den Gefahren äußern, von denen ich den Ethikunterricht zum jetzigen Zeitpunkt permanent bedroht sehe:


1.   Die Beibehaltung des Religionsunterrichts an Schulen:


Jede theistische Religion hat per se etwas Missionarisches bzw. Elitäres an sich, da jede von der Überzeugung lebt, dass die jeweiligen Nichtmitglieder den falschen Weg beschreiten. Bleibt der staatlich geförderte Religionsunterricht erhalten (oder wird sogar noch um eine islamische Variante erweitert), sieht es für die davon betroffenen Schüler so aus, als ob die Schule zwei unterschiedliche Angebote unterbreitet: Im Religionsunterricht die Aufforderung zum Glauben und im Ethikunterricht die Aufforderung zum eigenen Nachdenken und Abwägen.


2.   Die 'Verkopfung' des Faches Ethik:


Spielt sich die Aufforderung zum selbstständigen Denken und Entscheiden überwiegend auf einer abstrakten bzw. theoretischen Ebene ab, lassen wir es zu, dass nur bestimmte Schüler von diesem Angebot profitieren.


Ausgehend von der zuletzt genannten Überlegung rege ich an, dass die individuelle Perspektive stärker in den Blickpunkt gerückt wird: Wie können Schüler X und Schülerin Y es anstellen, im Rahmen der ihnen gegebenen Möglichkeiten ein auf ein friedliches Miteinander ausgerichtetes Leben zu führen? Noch konkreter: Wie und wo können sie sich engagieren? Wie können sie ihr Leben als Partner, Eltern und Nachbarn gestalten? Und nicht zuletzt: Wie lassen sich bestimmte Vorstellungen auch in der Ausbildung bzw. im Berufsleben verwirklichen?


Mit freundlichen Grüßen

Magda von Garrel

M.v.Garrel@t-online.de

Zwei Beiträge von Frau Beate Turner, eingestellt am 22.6.2010

Ethikunterricht an den Berliner Schulen

 

Der Ethikunterricht für alle Kinder von der 7. bis zur 10. Klasse bleibt auch nach der Volksabstimmung im April 2009 verbindlich. Aufgrund verschiedener Aussagen von Politikern und Kirchenvertretern direkt nach der Wahl ist allerdings zu vermuten, dass die Kirchen versuchen, ihre missionarischen Ideen in den Ethikunterricht hinein zu tragen, diesen so zu sagen zu kapern.

 

 

Welchen Sinn hat der Ethikunterricht?

 

-       Persönliche Perspektive: Wir statten die Schüler mit bestimmten Kompetenzen aus und geben ihnen die Möglichkeit, selbst ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

-       Gesellschaftliche Perspektive: Wir ziehen uns junge Menschen heran, die in der Zukunft auch die Selbstbestimmungsrechte anderer Menschen respektieren sollten.

 

Bisherige Kritik an den Unterrichtsmaterialien für den Ethikunterricht

 

(1) Jesus wird als Persönlichkeit behandelt. Fragen dazu: Werden die Kinder über Geschichtsverfälschungen aufgeklärt oder belässt man es bei einer derzeit von einer aktuell anerkannten Bibel dargestellten Version? Wenn man aber über die Geschichtsverfälschungen aufklärt, wie kann man das tun, ohne die am Ethikunterricht teilnehmenden Kinder christlichen Glaubens in ihrem religiösen Selbstverständnis zu erschüttern?

 

(2) Zitat aus den Materialien: „Menschen, die ihr Leben in beeindruckender Weise aus ihrer Religion … heraus gelebt haben, z.B. … Mutter Tereasa oder Luther“ - Fragen dazu: Dürfen diese beiden genannten Personen auch einseitig positiv dargestellt werden?

 

Bisherige Kritik am Rahmenlehrplan

 

(1) Auf Seite 17 des Rahmenlehrplanes steht, die Entscheidung darüber, in welcher Form eine Kooperation mit dem Religions- und Weltanschauungsunterricht stattfindet, obliegt der einzelnen Schule. Hier besteht eine Mißbrauchsgefahr.  

 

(2) Der Bereich Religionskunde ist relativ gering. Für das Verständnis wäre es sicher gut, wenn man sich mit den einzelnen Religionen bzw. Ideologien auseinander gesetzt hat, weiss, wie sie entstanden sind, wie und warum sie sich verbreiten konnten (bzw. verbreitet wurden) und warum es heute trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse noch so viele Anhänger gibt. Was sind die wesentlichen Inhalte der Religionen/ Ideologien und wie ernst werden diese Inhalte von ihren Anhängern genommen?

Jedenfalls ist es ziemlich platt, wenn man einfach nur darüber spricht, wie einzelne Religionen zu einem bestimmten Thema stehen und dies dann evt. nicht umfassend bearbeitet. So könnte eine Ethiklehrerin mit christlichem Hintergrund bei einem der Themen ihr Christentum wegen der christlichen Nächstenliebe loben, ohne sie umfassender zu beleuchten (=allgemeine menschliche Verhaltensregel / schafft den betreffenden Personen Vorteile bzw. vermeintliche Vorteile nach dem Tod)

 

(3) Der Rahmenlehrplan ist so aufgebaut, kein einziges Thema zwingend behandelt werden muss. Es geht nur darum, die Themen zu behandeln, die Berührungspunkte mit der derzeitigen Erfahrungswelt der Schüler haben. So ist z.B. auch das Thema "Diskriminierung aufgrund von Alter, Geschlecht, Rasse, Religion, Behinderung, Sexualität" nur ein Themenbeispiel. Wir könnten Themen auflisten, die unseres Erachtens unbedingt behandelt werden sollten.

 

(4) Der Begriff der Menschenwürde ist leider nicht näher definiert und kann in ganz unterschiedlichen Kontexten mit sogar entgegen gesetzten Zielen verwendet werden. Das jedoch ist den meisten Menschen - wahrscheinlich sogar der Lehrplankommission selbst; sonst hätte man den Begriff nicht ohne nähere Erklärungen verwendet - nicht gewahr. Evt. ist es besser, den Begriff der Menschenrechte zu benutzen. Dieser ist definiert und kann daher nicht so einfach missbraucht werden. Auf alle Fälle sollte im Ethikunterricht über den unterschiedlichen Gebrauch des Begriffs Menschenwürde gesprochen werden. Das würde unsere Kinder dazu befähigen, nicht so leicht auf ideologische Verfremdungen der Menschenrechte herein zu fallen.



Beate Turner



 

Der Begriff der Menschenwürde

 ... ist nicht definiert, uneindeutig und wird aktuell für ganz entgegengesetzte Forderungen benutzt. Philosophische Auseinandersetzungen mit diesem Thema finden sich z.B. hier:

 


http://www.gkpn.de/singer2.htm

(Dieter Birnbacher: "Mehrdeutigkeiten im Begriff der Menschenwürde")

http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Menschenwuerde;art304,2542840

(Steven Pinker: "Die Menschenwürde ist antastbar")